Der Drucksaal der Notenbank gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Der Zugang erfolgt durch Tresorschleusen, dutzende Videokameras überwachen die Drucker.

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Jeder Euro-Schein wird drei- bis viermal im Jahr in der Notenbank überprüft. Banknoten, die Verschleißerscheinungen aufweisen, werden aussortiert und landen im Schredder.

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Wien – Freitagvormittag. In der Druckerei der Oesterreichischen Nationalbank ist die erste Drucker-Schicht am Werken. Die Mitarbeiter putzen, füllen und entleeren die verschiedenen Maschinen. Wer in diesem Drucksaal im 9. Wiener Gemeindebezirk Papier zu Geld verarbeitet, ist um höchste Präzision bemüht. Obwohl man von herkömmlichem Papier in diesem Fall nicht sprechen kann. Das Material, aus dem die Euro-Scheine sind, ist ein Baumwoll-Gemisch, das bereits mit Sicherheitsstreifen und Wasserzeichen geliefert wird. "Als ich begonnen habe, hier zu arbeiten, habe ich bei jedem Geldbündel, das ich in Händen gehalten habe überlegt, was ich dafür wohl kaufen kann", erinnert sich ein Schichtleiter.

Mit dem Einlegen der penibel abgezählten Bögen in die Druckmaschine startet die Geldherstellung. Der Untergrund des Geldscheins – also Farbe und Konturen – wird gedruckt, wobei ein Spezialverfahren das gleichzeitige Bedrucken der Vorder- und Rückseite möglich macht. In mehreren Druckverfahren werden Sicherheitskippfarbe und die Hologramm-Folie aufgebracht, mit dem Kupferdruck die am Schein spürbaren Erhöhungen erzeugt. Als letzter Schritt wird die Nummerierung der Banknoten aufgedruckt.

Die 40 gelernten Drucker arbeiten in zwei Schichten und haben für die Bedienung der Geldmaschinen eine Zusatzausbildung gemacht. Durch die Schnelligkeit der Rotation oder die Regelung der Luftverhältnisse in den Maschinen müssen die Arbeiter sicherstellen, dass keine Bögen zerstört werden. Damit das Papier nach dem Bedrucken nicht verklebt und trocknen kann, herrscht in allen Produktionsräumen mit 22 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 55 Prozent ein konstantes Klima.

"Wie im Hochsicherheitsgefängnis"

Wann immer ein Stapel Geld in der Produktionskette von einer Maschine zur nächsten wechselt, kontrollieren die Drucker die Anzahl der Bögen. "Pro Maschine arbeiten immer zwei Mitarbeiter, die beide mit ihrer Unterschrift dafür haften, dass dieselbe Anzahl an Bögen, die sie übernommen haben, ihre Maschine verlässt", erklärt Alfred Cipera. Er ist bei der Oesterreichischen Banknoten- und Sicherheitsdruck GmbH (Oebs) für Projekte und internes Service zuständig. Fehlt ein Bogen, wird die jeweilige Maschine gestoppt und der Bogen gesucht. Kein Mitarbeiter der gesamten Schicht darf den Raum verlassen, bevor der fehlende Bogen gefunden wurde.

Durch die Feuchtigkeit in den Maschinen könne es mitunter passieren, dass ein Bogen auf der Druckplatte kleben bleibt. Damit die Drucker diesen finden, kann es schon mal vorkommen, dass sie die Maschine teilweise zerlegen müssen. "Bisher wurde noch jeder fehlende Bogen gefunden. Der Schwund ist null", sagt Cipera.

"Hier drinnen ist es ein bisserl wie im Hochsicherheitsgefängnis", gibt der "Geldmacher" zu. Dutzende Videokameras überwachen die Drucker, die Ein- und Ausgänge sind mit Tresorschleusen gesichert. Einige Türen sind zusätzlich mit Zahlencodes oder Handbiometrie ausgestattet. Dort kommt nur hindurch, wer prinzipiell Zutritt zu den Räumen hat. Zum Beispiel ins Atelier, in dem an den neuen Layouts der Geldscheine gearbeitet wird.

Durch die Tresorschleuse

Sind die bedruckten Geldbögen getrocknet, müssen sie zur Endfertigung. Dort werden aus den Bögen die Banknoten gestanzt. Jeder Schein durchläuft anschließend einen Qualitätscheck. Eine spezielle Maschine prüft in Sekundenschnelle die Sicherheitsmerkmale der Banknote, vergleicht die Seriennummern auf beiden Seiten des Geldscheins und prüft jene Sicherheitsfelder im Schein, die äußerlich nicht erkennbar und nur elektronisch lesbar sind. Nur wenn alle Merkmale passen, bekommt der jeweilige Schein eine Freigabe für den Geldumlauf.

"Nach ein paar Wochen wird auch dieser Ort zu einem normalen Arbeitsplatz und der Umgang mit dem vielen Geld normal", sagt der Schichtleiter, der seinen Job so umschreibt: "Ich sage immer, ich bin für acht Stunden Milliardär."

Die Guten ins Töpfchen ...

Jeder Euro-Schein, der im Umlauf ist, kommt drei- bis viermal im Jahr zum Qualitätscheck in die Notenbank zurück, wo neben den Sicherheitsmerkmalen Faktoren wie Verschleiß, Risse, Löcher etc. kontrolliert werden. Die guten Scheine kommen erneut in den Geldumlauf. Die schlechten landen im Schredder. Banknoten, die die Prüf-Maschine nicht erkennt, werden ausgespuckt und von Hand noch einmal begutachtet. Sie landen zwar ebenfalls im Schredder. Der Zusatz-Check ist aber notwendig, um zu klären, ob eine falsche Banknote im Umlauf ist. Ist eine Blüte dabei, wird sie aussortiert und in einer Statistik erfasst. "Komisch ist es schon, wenn man weiß, dass diese Scheine, die im Prinzip in Ordnung sind, vernichtet werden", sagt eine jener Damen, durch deren Hände an diesem Freitag die Scheine gehen. "Aber irgendwann verliert man die Emotion dazu." (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.3./1.4.2007)