Linz - Fünf Burschen prügeln mit den Fäusten auf ein am Boden liegendes Mädchen ein, nach den Prügeln urinieren zwei der Schläger auf ihr wehrloses Opfer. Passiert ist der Vorfall bereits vor gut einem Jahr in Berlin, das Handy-Video zur Tat war über Monate ein "Renner" im Internet. "Happy Slapping" (Fröhliches Abwatschen) heißt der bedenkliche Trend.

Es wird nicht mehr nur geprügelt, die Gewaltdosis wird immer weiter erhöht. Auch vor sexuellen Übergriffen machen die Angreifer nicht halt. Jüngstes Beispiel in Oberösterreich: Drei Burschen im Alter von 13, 14 und 16 Jahren vergingen sich an einem zwölfjährigen Mädchen und filmten mit. Die Tat flog auf, weil sie das Video an Freunde und Bekannte schickten. Die Jugendlichen sollen dem alkoholisierten Mädchen die Hose runtergezogen und es mit der Handy-Kamera gefilmt haben.

Gegen das Trio wird nun wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs und der Verbreitung von pornografischen Details ermittelt.

"Übergriffe keine Seltenheit"

Für den Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Linzer Kinderklinik, Werner Gerstl, sind "Happy Slapping"-Übergriffe keine Seltenheit. "Immer wieder haben wir in unserer Arbeit mit solchen Fällen zu tun. Man merkt da in den letzten Jahren einen bedenklichen Anstieg", so Gerstl im Gespräch mit dem Standard.

Die Gründe dafür seien sehr unterschiedlich: "Oft wissen Jugendliche heute nicht mehr wohin mit ihrer Energie aber auch mit der eigenen Frustration. Aus Spaß oder Langeweile beschließt man dann solche Taten. Alkohol spielt eine enthemmende Rolle", glaubt der Experte. Problematisch sei vor allem, dass das "Happy Slapping" durch das Internet in den Augen der Jugendlichen "legalisiert" werde. "Jugendliche sehen diese Videos, finden sie cool und denken oft gar nicht daran, dass sie sich strafbar machen", so Gerstl. Gefordert seien vor allem die Eltern: "Es braucht mehr Kontrolle, ein Blick in die Schultasche reicht heute nicht mehr", sagt Gerstl.

Bei den Behörden registriert man hingegen keine ansteigende "Happy Slapping"- Problematik. "Das ist so marginal, und es gibt kaum Anzeigen", erklärt Oberösterreichs Sicherheitsdirektor Alois Lißl.

Gewalt gepaart mit Rassismus

Anders die Entwicklung in Deutschland, dort hat das kriminelle Spiel auch schon rassistische Züge angenommen. In Deutschland waren lange Zeit Angriffe rechter Recken auf Ausländer der "Hit" am Display. Die Idee, rohe Gewalt am Handy zu inszenieren und zu konsumieren, kommt aus Großbritannien. Ursprünglich filmten sich Jugendliche jedoch wissentlich gegenseitig und simulierten die Angriffe außerdem nur. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 31.3./01.04.2007)