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Bis zu zwölf Ultraschalluntersuchungen werden während einer Schwangerschaft durchgeführt. Informationskampagnen sollen Frauen wieder selbstsicherer machen. Damit sie wissen, welche Untersuchungen wirklich notwendig sind.

Foto: APA/dpa/Patrick Pleul
Treffen sich zwei Schwangere. Fragt die eine: "Du, wie geht’s dir denn?" Sagt die andere: "Das weiß ich nicht, ich hab’ erst morgen einen Termin beim Frauenarzt." Nach einem Nachtdienst "mit drei Aufnahmen und einer Geburt" am LKH Bregenz hat Susanne Haunold, Hebamme mit 27 Jahren Erfahrung, noch Energie für Ironie. "Der Witz trifft die Situation der Frauen. Denn ihnen geht immer mehr das Vertrauen in die eigene Intuition, das Gefühl für ihren Körper verloren." Frau Haunold zieht eine Magazin-Beilage aus der Tasche. "Da drinnen steht, dass über den Ultraschall eine Beziehung zum Kind aufgebaut wird. Blödsinn. Da werde ich zornig." Zuviel Ultraschall

Die 47-jährige dreifache Mutter legt nach: "Ist das Kind im Bildschirm beim Doktor oder im eigenen Bauch?" Ob in Magazinen oder Fernsehsendungen, Frauen würden mit Informationen der fragwürdigen Art überschüttet. Folge: "Eine extreme Verunsicherung, der Gipfel ist dann der Kaiserschnitt auf Wunsch." Die Unsicherheit versuche frau mit diversen, "meist wirklich unnötigen" Untersuchungen zu bewältigen, so wird aus der Diagnosemethode Ultraschall "Baby-Bilder schauen". Zwei Ultraschalluntersuchungen sind im Mutter-Kind-Pass vorgesehenen, durchgeführt werden aber acht bis zwölf. Haunolds Alternative: "Hände auf den Bauch legen, das Kind spüren, guter Hoffnung sein."

Die Realität sieht anders aus

Mit 1,42 Kindern pro Frau hat Österreich eine der geringsten Geburtenraten Europas. Das freudigen Ereignis sehen immer mehr Ärzte als Risiko. Eine Studie zur "Technisierung der normalen Geburt" der Uni Osnabrück ergab, dass bei 74 Prozent der schwangeren Frauen im Mutterpass Schwangerschaftsrisiken angeben wurden. Österreichische Ärzte und Ärztinnen empfehlen oder machen bei der ersten im Mutter-Kind-Pass vorgesehenen Ultraschalluntersuchung (13. bis 14. Schwangerschaftswoche) die Nackenfaltenmessung, mit der ein erhöhtes Down-Syndrom-Risiko festgestellt werden kann. Das diagnostische Angebot ist umfangreich, es reicht vom Ultraschall (3D, Doppler) über Fruchtwasseruntersuchung bis zum OrganScreening des Ungeborenen. Brigitte Steingruber berät am Frauengesundheitszentrum Graz zum Thema Pränataldiagnostik. Ihr Seminarprogramm heißt "Selbstsicher in die Schwangerschaft". "Viele Frauen wissen nicht, dass sie sich frei entscheiden können, ob sie diese Untersuchungen tatsächlich wollen." Deshalb versuche man, Frauen schon zu Beginn der Schwangerschaft anzusprechen. "Weil es schwieriger wird für Frauen, wenn sie nicht von Anfang an wissen, was auf sie zukommt."

Möglichkeiten der Geburt

Nicht nur das diagnostische Angebot ist vielfältig, auch bei der Entscheidung, wo und wie sie gebären will, hat ein Frau immer mehr Wahlmöglichkeiten. Dennoch entscheiden sich 98 Prozent für eine Geburt im Krankenhaus, ist im Frauengesundheitsbericht zu lesen. Der Anteil der Hausgeburten ist verschwindend gering. Die ambulante Geburt – Mutter und Kind verlassen das Krankenhaus wenige Stunden nach der Geburt und werden zuhause von einer Hebamme und pädiatrisch betreut – nehmen nur 1,7 Prozent in Anspruch. Krankenhäuser versuchen immer mehr, dem Wunsch nach angenehmer Atmosphäre nachzukommen. In einigen Häusern kann man die vertraute Hebamme mitbringen, die Wunschmusik, kann im Wasser gebären – die Möglichkeiten sind vielfältig.

Schließlich haben Frauen die Wahl zwischen natürlicher Geburt und Kaiserschnitt. An der Universitäts-Frauenklinik Wien betrug der Anteil der Kaiserschnitte im Vorjahr 40,6 Prozent. Zehn Prozent davon waren Operationen auf Wunsch. Die leitenden Ärzte Peter Husslein und Martin Langer sprechen sich gegen eine Diskriminierung dieser Frauen aus und für die "autonome Entscheidung der Frau". Da wären sich Ärzte und medizinkritische Frauen einig. (Der Standard, Printausgabe, Jutta Berger, 5.4.2007)