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Für die italienische +39 könnte der Mastbruch schon das Aus bedeuten, die Stars des America's Cup üben sich beim Fleet Race im Tarnen und Täuschen.

Foto:Mike Hewitt/Getty Images
Vasco Vascotto hat nicht nur den Namen eines Popstars, er könnte auch einer sein. Er ist notorisch gut gelaunt und gilt als Spaßvogel im America's-Cup-Zirkus. Der kleine Italiener mit den blonden Haaren und blauen Augen ist Teamchef bei Mascalzone Latino, einem italienischen Projekt, das beim Cup 2002/2003 in Neuseeland vor allem für eines bekannt war, für die guten Partys. Das von einem schwerreichen italienischen Reeder unterstützte Team belegte am Ende den letzten Platz. Allerdings hat Mascalzone sich stark verbessert und gilt in Valencia als Aspirant auf den heiß umkämpften vierten Platz im Halbfinale des Louis-Vuitton-Cup, der am 16. April anhebt. Die anderen Plätze dürften, wenn sich der Segel-Gott nicht einen Scherz erlaubt, an die Mega-Teams BMW Oracle (USA), Luna Rossa (Italien) und Team Emirates Neuseeland gehen.

Als Vascotto kurz vor Beginn der letzten Vorregatten, dem Act 13, mit den anderen elf Steuermännern und Skippern auf dem Podium des Medienzentrums saß, war er der Einzige, der noch lachen konnte. Man merkte daran, wie hoch der Druck auf den Seglern lastet. Selbst Jesper Bank, der dänische Steuermann der Deutschen, der normalerweise vor Selbstironie sprüht, schaute so ernst, als stehe seine Hinrichtung bevor.

Vor allem die kleinen Teams, deren Budgets zwischen 25 und 60 Millionen Euro rangieren und die deswegen häufig nur eine neue Yacht zur Verfügung haben, müssen jede Vorregatta nutzen, um ihr Boot zu optimieren, die Handgriffe einzustudieren. So eine mit 17 Seglern bestückte, 24 Meter lange und 24 Tonnen schwere Yacht muss mit der Präzision eines Uhrwerks funktionieren. Auf die Frage, ob die Acts nicht nur ein Marketing-Schaulaufen seien, konterte Vascotto: "Wir brauchen die Punkte. Wir brauchen das Training."

Der Schweizer Titelverteidiger Alinghi hatte die Acts erstmals zum festen Bestandteil des America's Cup gemacht. Vor allem, um den Cup nicht aus den Medien verschwinden zu lassen. Früher wussten die Teams bis zum Beginn des Louis-Vuitton-Cup nicht, wie es um ihre Stärke bestellt ist. Und der Titelverteidiger griff naturgemäß erst im eigentlichen America's Cup, also im Finale gegen den Gewinner des Louis-Vuitton-Cup, ein. Alinghi ist nun auch schon bei den Acts dabei, allerdings außer Konkurrenz.

Zwar gibt es für gewonnene Rennen in den Acts auch Punkte, die die Teams mit in den Louis-Vuitton-Cup nehmen, aber sportlich sind die Vorregatten eher belanglos. Auch weil vor allem die großen Teams darauf bedacht sind, ihre Design-Kunststücke und ihre wirkliche Stärke nicht unbedingt ihren Konkurrenten preiszugeben. Deswegen wird vermutet, dass sie mit angezogener Handbremse fahren. Das macht man nicht offensichtlich, sondern mit allerlei subtilen Tricks: Mal nimmt man ältere Segel mit, mal ein älteres Boot oder eine andere Kielbombe, mal hält ein Steuermann seinen Ehrgeiz zurück, oder man segelt nicht mit den besten Männern.

Vorsicht als Taktik

Deswegen geben die Vor- regatten über die Bootsgeschwindigkeit kaum Auskunft. Sehen konnte man das beim ersten Rennen im Act 13, als sich die Teams durch eine Flautenschlacht schunkelten. Allerdings konnte man auch bestaunen, welche Klasse ein Steuermann wie Ed Baird (Alinghi) hat. Er rollte das Feld komplett von hinten auf. Oder man konnte bewundern, was einen guten Steuermann von einem Weltklasse-Mann unterscheidet. Chris Dickson hatte als Erster die neue Böe auf der vierten und letzten Runde erkannt und BMW Oracle zum Sieg gesegelt.

Einige der Acts, wie der noch bis Samstag stattfindende Act 13, werden als Fleet Races gesegelt. Dabei treten alle zwölf Teams gleichzeitig an. Das ist ein spektakuläres Bild, wenn die riesigen Schiffe mit ihren gewaltigen Segeln im Startgedränge unter schrillen Knarz- und Heul-Geräuschen um die besten Plätze kämpfen. Allerdings werden die Steuermänner auch hier Vorsicht walten lassen - schließlich will man sich so kurz vor Cup-Beginn sein bis zu vier Millionen teures Design-Wunder nicht ramponieren.

Zu welch heiklen und tragischen Vorfällen es dennoch kommen kann, konnte man an der Kollision zwischen +39 und den Deutschen sehen. Für die Italiener könnte das das Aus bedeuten. Das Fleet Race ist zwar attraktiv für Zuschauer, verschwindet aber mit dem Erscheinen des Louis-Vuitton-Cup, der im Match-Race-Modus gesegelt wird. Dann gilt, was den Cup ausmacht: Es gibt keinen Zweiten, nur einer gewinnt. Dann bricht sie wirklich an, die Zeit der Pop-Stars im America's Cup. (Ingo Petz aus Valencia, DER STANDARD Printausgabe 06.04.2007)