Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: APA/dpa/Ingo Wagner
Graz - Kurze Nächte sind auf Dauer kein guter Life-Style: Ein Viertel der Österreicher soll von Schlafstörungen betroffen sein. Mittlerweile kennt man rund 90 verschiedene Arten der Schlafstörungen, informierten Vertreter der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung (ÖGSM) bei ihrer Jahrestagung in Graz. Zu den häufigsten gehören zum Beispiel Schlafapnoe wie Schnarchen - letzteres tue etwa jeder zweite, hieß es.

"Sekundenschlaf"

Immer häufiger tauche in Medien der Begriff "Sekundenschlaf" und dadurch verursachte Verkehrsunfälle auf. "Sekundenschlaf ist immer ein Ausdruck von zu großer Müdigkeit", sagte Präsidentin Birgit Högl von der Medizinischen Universität Innsbruck. Gründe könnten eine Schlafapnoe, Schlafmangel - zum beispiel auf Grund eines verschobenen biologischen Rhythmus - oder Narkolepsie sein. Letztere werde oft nicht erkannt, weil Betroffene zum Beispiel auch nicht schnarchen und genügend schlafen, erklärte Högl. Man nehme an, dass etwa 4.000 Österreicher betroffen sind. In diesem Zusammenhang müssten auch Polizeibeamte besser geschult werden, meinte Generalsekretär Wolfgang Mallin vom LKH Hörgas-Enzenbach nördlich von Graz.

"Man könnte sagen, ab dem 50. Lebensjahr schnarcht halb Österreich", so Mallin. Heilung gebe es zwar keine, aber eine lebenslange Therapie. Partner von "Schnarchern" bekämen etwa ein bis zwei Stunden weniger Schlaf, berichtete Högl.

Nicht ernst genommen

Es gebe auch eine Tendenz, Schlafstörungen zu bagatellisieren. Offenbar gehöre es zum Life-Style, mit wenig Schlaf auskommen zu können, meinte Högl. Vor allem bei Frauen würde zum Beispiel Müdigkeit viel häufiger als Depression abgetan. Beim so genannten Restless Legs Syndrom (der Drang, die Beine und manchmal auch die Arme zwanghaft bewegen zu müssen, Anm.) sei das weibliche Geschlecht doppelt so oft betroffen wie Männer. Bei Schlafapnoe seien Männer häufiger betroffen, mit dem Wechsel würden die Frauen "aufholen".

Unbedingt abklären

Die Mediziner appellierten daran, Schlafstörungen "unbedingt mit dem Arzt abklären und nicht mit Schlafmitteln herumzuexperimentieren". In Spezialambulanzen könnte die jeweilige Schlafstörung genau diagnostiziert und die richtige Behandlungsform eingesetzt werden. "Und unbedingt ausreichend schlafen", empfahl Högl. Grundsätzlich seien dies siebeneinhalb bis acht Stunden für einen Erwachsenen - immerhin würden zum Beispiel Konzentrations-, Kommunikations-, Entscheidungsfähigkeit, Immunsystem und Stoffwechsel davon beeinflusst. Bei der Jahrestagung mit dem Hauptthema "Schlaf und Gesundheit" sind noch bis Sonntag rund 150 Ärzte in Graz dabei. (APA)