Casablanca/Rabat - Die marokkanische Hafenstadt Casablanca ist am Samstag erneut von Selbstmordanschlägen erschüttert worden. Zwei Attentäter hätten sich in der Nähe von US-Einrichtungen in die Luft gesprengt, teilte die Polizei mit. Einer der Attentäter wurde den Angaben zufolge bereits wegen der Anschläge in der Wirtschaftsmetropole von Dienstag gesucht. In diesem Zusammenhang gelang den Ermittlern nach eigenen Angaben ein Fahndungserfolg: Der mutmaßliche Kopf der hinter den Anschlägen vermuteten Terrorzelle und sein Stellvertreter seien festgenommen worden, erklärte die marokkanische Polizei am Samstag. Dabei sei auch das Versteck der Zelle entdeckt worden.

Anschlag sollte offenbar US-Kulturinstitut gelten

Laut Sicherheitskräften zündeten die Attentäter ihre Sprengladungen am Morgen in der Innenstadt an einem Polizeiposten beim US-Kulturzentrum Dar America. Einer der Täter habe einen Polizisten um Zutritt zu dem Zentrum gebeten. Als sie nach dem Grund gefragt wurden, hätten die beiden ihre Sprengladungen gezündet, hieß es weiter.

Andere Augenzeugen berichteten, einer der Täter sei auf das Kulturzentrum, der zweite auf das US-Generalkonsulat zugegangen. Sie hätten sich dann im Abstand von rund einer Minute in die Luft gesprengt. Eine Frau wurde bei dem Anschlag verletzt. Nach dem Attentat nahm die Polizei nach Angaben aus dem marokkanischen Innenministerium drei Verdächtige fest.

Unterschlupf

Die Polizei teilte mit, bei der Festnahme der mutmaßlichen Verantwortlichen der Terrorzelle, die für die Anschläge von Dienstag verantwortlich gewesen sein soll, sei auch der Unterschlupf der Gruppe entdeckt worden. Sie hätten in dem Versteck in einem Elendsviertel von Casablanca die Sprengladungen hergestellt. "Auch wurde die Identifizierung der restlichen Mitglieder der Bande ermöglicht. Nach ihnen wird derzeit gefahndet", hieß es.

Am Dienstag waren bei einem Anti-Terror-Einsatz der marokkanischen Polizei in Casablanca vier mutmaßliche Extremisten getötet worden: Drei sprengten sich selbst in die Luft, ein Vierter wurde von Beamten erschossen, bevor er seine Sprengladung zünden konnte.

Polizeirazzia

Die Polizeirazzia stand im Zusammenhang mit der Explosion einer Bombe in einem Internetcafé in Casablanca am 11. März. Die Staatsanwaltschaft verdächtigte eine sich neu formierende Terrorgruppe als Urheber der Explosion in dem Internetcafé. Die Staatsanwaltschaft vermutete, damals sei die Sprengladung nur aus Versehen explodiert.

Der Islamismus-Experte Mohamed Tozi wertete die Anschläge von Samstag daher als bewusstes Zeichen der Terrorgruppe: Nach der versehentlichen Explosion in dem Internetcafé und der Polizeirazzia am Dienstag hätten die Attentäter nun bewusst und aus eigenem Willen zugeschlagen.

Im Nachbarland Algerien waren am Mittwoch in der Hauptstadt Algier bei einem Doppelanschlag mindestens 33 Menschen getötet worden. Die US-Botschaft in Algier hatte für Samstag vor neuen Anschlägen gewarnt. (APA/AP)