Nappa Valley, Kalifornien: Der Weinkeller von Kathryn und Craig Hall mit Abrissziegeln aus Wien.

Foto: Gruber
Gutenstein/Wien - Reich wolle er nicht werden, sagt der Weinkellerbauer Friedrich Gruber. Er sitzt entspannt in seinem Garten im niederösterreichischen Gutenstein und erzählt aus seinem (Geschäfts)-Leben: "Ich habe mit vielen Milliardären zu tun. Das sind komplizierte Charaktere. Es ist unglaublich, was es auf dieser Welt an Geld gibt." Immer, wenn er aus dem Ausland in Wien lande, komme er sich vor, wie gerade aus der Serie "Reich und Schön" herausgesprungen, und freue sich, wieder daheim zu sein.

Prestigeprojekte hat Gruber einige, sprechen tut er darüber ungern, denn Diskretion sei oberstes Gebot in seinem Job. Dann erzählt er aber doch von Kathryn Hall, ehemalige amerikanische Botschafterin in Wien. Sie sei eine große Österreich-Liebhaberin und durch Mundpropaganda auf ihn gekommen. Auf zwei ihrer Güter in Nappa Valley, Kalifornien, hat er riesige Weinkeller für die edlen Tropfen des Ehepaares Hall gebaut.

Penthouse mit Weinkeller

Sein größtes Projekt bislang war auch in Kalifornien. "Da haben wir 13 Jahre lang eine Burg gebaut. Jeder Ziegel war aus Österreich angeliefert." Was das gekostet hat, will er nicht sagen, aber "nicht so wenig". Jüngster Auftrag in Florida: Ein Weinkeller für ein Penthouse im 30. Stock. "Es ist im Prinzip egal, ob man in einem Keller baut oder im Penthouse."

Gruber ist ein zufriedener Mensch: "Mein Beruf ist mein Hobby und für alte Bausubstanzen habe ich mich schon immer interessiert", sagt der 52-Jährige. Er errichtet mit seinen 20 Mitarbeitern neben Weinkellern auch Kreuzgewölbe für Kirchen oder etwa das römische Bad in Seefeld - mit ausschließlich historischen Ziegeln aus der Zeit zwischen 1819 bis 1918.

Die alten Ziegel kauft er von Abrissfirmen in Wien. Nachschubprobleme gibt es nicht. "Ganz Wien ist ja mit diesen Ziegeln erbaut", sagt Gruber. 1984 hat er sich selbstständig gemacht und langsam einen Kundenstock aufgebaut. In Österreich mauert er vorwiegend für kleine private, im Ausland durchaus auch für große, reiche Kunden.

Ziele oder Pläne hat Gruber keine, sagt er: "Ich habe eigentlich alles erreicht. Es ist ein Traum, dass ich weltweit vor so großem Publikum agieren darf." (Barbara Forstner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.4.2007)