Kritik am ORF gab es am Mittwoch seitens zweier Stiftungsrätinnen. Huberta Gheneff-Fürst, die für das BZÖ im ORF-Stiftungsrat sitzt, sieht die Ausgewogenheit des ORF in Gefahr und monierte die ihrer Meinung nach zu häufige Präsenz der Dritten Nationalratspräsidentin Eva Glawischnig (G) im ORF-Fernsehen. "Es grünt so grün im ORF", meinte sie im Gespräch mit der APA. Die grüne Stiftungsrätin Monika Langthaler ortete ihrerseits "ganz klare Unvereinbarkeit" bei jener "Vera exklusiv"-Sendung, in der über eine Veranstaltung des Theaters im Metropol berichtet wurde, in dem Russwurms Ehemann Peter Hofbauer Vereinsobmann ist.

Der ORF laufe Gefahr, von einem "Schwarzfunk zu einem Grünfunk" zu werden, glaubt Gheneff und verweist auf die Auftritte von Eva Glawischnig in den neuen Magazinen "konkret" und "Wie bitte?". "Ich fordere den ORF auf, sorgfältiger mit dem Objektivitätsgebot umzugehen", so die orange Stiftungsrätin. Es falle darüber hinaus auf, "dass in den letzten Tagen unpolitische Sendungen als Bühne für allerlei Politiker verwendet wurden".

Beim ORF sieht man die Ausgewogenheit freilich nicht in Gefahr. Glawischnig habe in "Wie bitte?" eine politische Forderung erhoben, die in Folge zu heftigen innenpolitischen Diskussionen geführt habe, argumentierte Kommunikationschef Pius Strobl. Der ORF, der ja ohnehin um Themenführerschaft bemüht ist, habe hier wieder einmal "ein Thema gesetzt". Schließlich sei der ORF kein "Presseaussendungsverlautbarungsinstrument", so der Kommunikationschef.

Langthaler sieht Unvereinbarkeit bei "Vera exklusiv"-Sendung

Die grüne Stiftungsrätin Langthaler empörte sich hingegen über die erste Ausgabe von "Vera exklusiv", in der über das Musical "Müllers Büro" im Wiener Metropol berichtet wurde, wo Russwurms Mann Hausherr ist. "Vera exklusiv" wird von der Produktionsgesellschaft Hofpower produziert, an der Russwurm gemeinsam mit ihrem Ehemann die Mehrheit hält. "Das ist für mich eine klassische Unvereinbarkeit", noch dazu, da die Produktionsfirma keine unbeträchtlichen Summen bezieht. "Solche internen PR-Geschichten gehen einfach nicht. Dass so etwas auf Sendung geht, ist in hohem Maße aufklärungsbedürftig. Ich erwarte mir eine Klarstellung vom ORF." Langthaler will die Angelegenheit bei der nächsten Stiftungsratsitzung thematisieren.

Der Sender hat den Verdacht der Unvereinbarkeit bereits am Montag zurückgewiesen. Man habe in "Vera exklusiv" über "Müllers Büro" berichtet, weil es sich um eines der kulturellen Themen der vergangenen Woche gehandelt habe, so die Sichtweise des ORF. (APA)