Noch hat "Mitten im Achten" eine Chance. ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz glaubt jedenfalls "felsenfest an die Entwicklung von 'MiA'", wie er im derStandard.at-Chat betonte. Und sein Chef Alexander Wrabetz glaubt an Lorenz, wie er im Interview mit der APA versicherte. Auch der ORF-Generaldirektor hofft noch, dass sich die zuschauerschwache Sitcom (am Donnerstag lag der Marktanteil bei neun Prozent) einspielen wird. Von den gegenüber der Werbewirtschaft angepeilten 400.000 Zusehern will Wrabetz nichts wissen. Ziel von "MiA" müsse sein, "der absolute Marktführer in seinem Segment, also bei den Daily Soaps, zu sein".

In der gleichen Zeitzone programmierte Serien wie der RTL-Soaphit "Gute Zeiten schlechte Zeiten" begeistern in Österreich immerhin bis zu 150.000 Zuschauer. Die Sat.1 Konkurrenzserie "Verliebt in Berlin" hält ebenfalls bei durchschnittlich über 100.000 Zusehern. "MiA" sahen sich am Donnerstag 166.000 Menschen an. Den Gedanken, dass es "auch den österreichischen Kreativen und Produzenten gelingen muss, eine tägliche Serie zu produzieren", will Wrabetz jedenfalls nicht aufgeben. Darauf, ob das auch mit "MiA" sehr schnell gelingt, legte sich der ORF-General nicht fest und rechnet mit einer Entwicklungszeit.

"Aufgebauschte Erwartungen "

"MiA" leide jedenfalls an dem Problem, dass es dem ORF nicht geglückt ist, die im Vorfeld medial aufgebauschten Erwartungen zu relativieren. "Und diese unglaubliche Bedeutung von der Serie wegzubekommen, gelingt uns jetzt auch im Nachhinein nicht", daher stehe die Sitcom derzeit im Zentrum der medialen Kritik, und "leider überdeckt diese Diskussion die vielen hervorragenden Formate, die bestens gestartet sind".

Wenig begeistert zeigte sich der ORF-Generaldirektor von den Diskussionen um jene angebliche Joint-Szene in "Mitten im Achten", die zu Beginn der Woche für Aufregung sorgte. "Ich halte es für problematisch, so etwas unkommentiert zu zeigen. Es ist nicht gut, sollte hier jemand einen Joint erkannt haben. Ich hätte das nicht gemacht, allerdings kann ich nicht zwei Mal 24 Stunden Programm abnehmen", wies der Generaldirektor darauf hin, dass er zwar die Gesamtverantwortung für den ORF trägt, allerdings Tagesentscheidungen von den jeweiligen Bereichen zu treffen und zu verantworten sind.

Werbetarife müssen "aus jetziger Sicht" nicht gesenkt werden

Die Bedenken der Werbewirtschaft, dass man auf Grund der schwachen Seherzahlen auch die Werbetarife auf ORF 1 in dieser Zeitzone senken müsse, teilt Wrabetz nicht. "Aus jetziger Sicht sehe ich das nicht, ich bin ganz zuversichtlich, dass sich die meisten Dinge positiv entwickeln werden." Für detaillierte Informationen in Sachen Werbetarife verwies Wrabetz auf seine Kaufmännische Direktorin Sissy Mayerhoffer.

In Summe zog der ORF-Chef zehn Tage nach dem Start seiner Programmreform eine verhalten positive Bilanz. "Ich bin so zufrieden, wie ich mir vorgestellt habe, dass ich zu diesem Zeitpunkt zufrieden wäre." Freilich bestehe noch - "wie übrigens immer bei neuen Medienprodukten" - bei einigen Sendungen weiterer Entwicklungsbedarf, insgesamt seien aber "nur wenige Dinge anders angekommen, als es sich die Sendungsverantwortlichen im Vorfeld überlegt haben". Auch der Entschluss, die "ZiB"-Durchschaltung aufzugeben, sei aufgegangen. "Grosso modo funktioniert das. Wir haben mehr Zuschauer für die Information als zuvor." Und wenn hier die einzige Kritik "zwei Längsstreifen im Bild" seien, "dann können wir uns glücklich schätzen."

Von "ZiB 20" positiv überrascht

Geradezu begeistert ist der ORF-Chef von der Performance der ORF 1-Information. "Das Vorhaben, dass ORF 1 eine eigenständige Informationsschiene bekommt, ist sehr gut aufgegangen." Von der "ZiB 20" ist Wrabetz selbst "positiv überrascht". Es handle sich hier um eine völlig neue Sendung, die "komplett gelungen ist, und ich bin sicher einer der kritischsten Zuschauer. Die Sendung ist einfach nur ganz toll."

Weniger toll ist laut Wrabetz Martin Kusejs Burgtheater-Inszenierung von "Höllenangst" bei der Karsamstags-Übertragung auf ORF 2 beim Publikum angekommen. Das Theaterstück konnte ab 21.55 Uhr lediglich 39.000 Zuschauer begeistern. Eine "verheerende" Quote, urteilte der ORF-Chef. Die Konsequenz: "Es ist klar, dass es keinen Sinn hat, solche Kulturgeschichten zu machen, ohne sie entsprechend in das Rahmenprogramm und Promotion einzubinden. Nur einfach ins Programm ohne Begleitmaßnahmen gestellt, ist das Interesse der Zuschauer, auch der an der Kultur interessierten, einfach zu schwach. Dies im Gegensatz zu 'Manon' und 'Regimentstochter', wo der ORF gezeigt hat, dass Oper auf breites Interesse stoßen kann, wenn quasi ein 'Schwerpunkt' daraus gemacht wird."

In den Hintergrund gerückt sind während der Reform-Aufregung die eventuellen Umzugspläne des ORF. "Neueste Gutachten haben ergeben, dass wir keinen Zeitdruck haben. Die Baulichkeiten am Küniglberg sind jedenfalls stabil, so dass nicht binnen kürzester Zeit etwas getan werden muss", erklärte Wrabetz. (APA/Julia Schnizlein; red)