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Die Kämpfe in der somalischen Hauptstadt Mogadischu nehmen kein Ende.

Foto: AP/Mohamed Hassan Siidi
Mogadischu - Hunderttausende Menschen sind vor den heftigen Kämpfen in der somalischen Hauptstadt Mogadischu auf der Flucht. Von Äthiopien unterstützte Regierungstruppen lieferten sich dort am Montag den sechsten Tag in Folge schwere Kämpfe mit islamistischen Rebellen.

Dabei sind mindestens weitere 15 Menschen getötet worden. Sieben Menschen wurden Augenzeugen zufolge verletzt, darunter ein sechs Monate altes Baby. Auf den Straßen der Stadt verwesten Leichen, wie Anwohner berichteten. Wegen der seit Tagen andauernden Kämpfe sei es zu gefährlich, die Getöteten zu bergen.

500.000 auf der Flucht

Wie viele Menschen in den jüngsten Kämpfen starben, blieb unklar. Verschiedenen Informationen zufolge waren es mindestens 230. Schätzungen zufolge sind etwa eine halbe Millionen Bewohner der Stadt auf der Flucht. Vor den Kämpfen lebten dort zwischen einer und 2,4 Millionen Menschen. Die gegenwärtigen Gefechte sind die schwersten seit einem viertägigen Gewaltausbruch Ende März, bei dem rund 1000 Menschen starben. Die meisten Opfer sind Zivilisten.

SOS-Kinderdörfer evakuiert

Immer mehr Hilfsorganisationen schränken ihre Arbeit in Mogadischu ein. Aufgrund der massiv verschlechterten Sicherheitslage sind auch SOS-Kinderdorf-Einrichtungen vorübergehend evakuiert worden. Kinder und ihre Mütter wurden nach Angaben der Organisation aus dem SOS-Kinderdorf der somalischen Hauptstadt gebracht.

Sie kamen bei Verwandten oder Bekannten der Mütter in kampffreien Zonen Mogadischus unter. In den vergangenen Tagen hatte es in unmittelbarer Nähe des Kinderdorfs immer wieder schwere Kämpfe zwischen äthiopischen Regierungssoldaten und islamistischen Milizen gegeben, vereinzelt schlugen Raketen und Granaten im SOS-Kinderdorf ein. Im SOS-Kinderdorf Mogadischu leben 82 Kinder, 13 Jugendliche und rund 30 SOS-Mitarbeiter. Wilhelm Huber, regionaler Koordinator der SOS-Projekte in Somalia, sagte: "Ich hoffe, dass sich die Situation in Kürze soweit beruhigt, dass die SOS-Familien in ihr Dorf zurückkehren können".

Nach heftigem Beschuss evakuierte auch die somalische Partnerorganisation mehrerer deutscher Hilfswerke ihr Bürogebäude in der Stadt. Vier Wachleute der Organisation DBG seien leicht verletzt worden, teilten am Montag die Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas international mit. Das Gebäude der Organisation sei schwer beschädigt worden. DBG werde nun außerhalb von Mogadischu eine provisorische Unterkunft einrichten und ihre Arbeit von dort aus soweit wie möglich fortführen.

Wer im Moment die Kämpfe gegen die Regierungstruppen und deren äthiopische Helfer anführt, ist nicht sicher. Die somalische Gesellschaft ist in zahlreiche, teils weit verzweigte Familienclans aufgespalten, in denen oft mächtige Kriegsfürsten das Sagen haben. Einige der Clans vertreten radikal-islamische Positionen. Hinzu kommt, dass nach Angaben der USA und Äthiopiens die Extremistenbewegung Al-Kaida in dem Land Fuß gefasst haben soll und in dem Konflikt aktiv mitmischt.

Ministerpräsident Ali Mohamed Gedi sagte, der Kampf werde bis zur Zerschlagung der Islamisten, ihrer ausländischen Helfer und der Kämpfer des Hawiye-Clans fortgesetzt. "Ich möchte den Somalis und der Welt sagen, es gibt keinen Kampf zwischen dem Hawiye-Clan und der Regierung. Der Kampf findet statt zwischen Terroristen mit Verbindungen zur Al-Kaida auf der einen Seite, und der Regierung, die von Truppen Äthiopiens und der Afrikanischen Union unterstützt wird, auf der anderen Seite", zitierte ein lokaler Rundfunksender den Regierungschef. Der in Modadischu dominante Hawiye-Clan soll sich den Islamisten angeschlossen haben, weil er sich angeblich von der Regierung übergangen fühlt.

Regierungstruppen und äthiopische Soldaten hatten die islamistischen Milizen, die in der zweiten Jahreshälfte 2006 weite Teile des Landes kontrolliert hatten, um die Jahreswende vertrieben. Diese haben sich mittlerweile aber neu gruppiert. Eine Friedenstruppe der Afrikanischen Union mit zunächst 1500 ugandesischen Soldaten konnte gegen die Gewalt bisher nichts ausrichten. (APA/Reuters/AP)