Die Stacheldrahtrollen um die weiß leuchtende Vertretung Russlands glitzern in der Sonne. Vor dem Gebäude hat einer vom Haradinaj-Clan ein siebenstöckiges Haus hochgezogen. Weiter oben am Berg protzt die Villa von Ramush Haradinaj, dem Ex-Premier, dem in Den Haag der Kriegsverbrecherprozess gemacht wird. Russland ist aber nur auf dem Hügel Prishtinas von Größeren eingekreist. In der Welt außerhalb des Kosovo hat Moskau auf das Schicksal der zwei Millionen Kosovaren mehr Einfluss als all die Millionen Euro und die tausenden Gefolgsleute der Haradinajs.

Es gibt Orte im Kosovo, wo um das Njet der Russen gebettelt wird. "Hilf uns, Russland", ist auf einem Plakat in dem von Serben bewohnten Norden der Stadt Mitrovica zu lesen. Wer hier mit den Internationalen zusammenarbeitet, gilt schnell als Verräter. Wer "brav" ist und der offiziellen Belgrader Linie folgt, wird hingegen in serbischen Dörfern mit Hilfslieferungen belohnt.

"Kämpft für eure Rechte"

Oliver Ivanovic ist nicht brav, sondern realistisch. Er hat sogar die Verbindungen zu Präsident Boris Tadic in Belgrad gekappt. "Ich erwarte von Tadic eine klare Botschaft an die Serben im Kosovo: Kämpft für eure Rechte." Andernfalls könnten 5000 der 20.000 Serben aus Mitrovica auswandern. "Im Juni ist es zu spät, denn da haben die Eltern ihre Kinder schon in Schulen in Serbien eingeschrieben", sagt der Chef der Serbischen Liste für Kosovo. Er hält es für möglich, dass sich die USA und Russland doch noch einigen.

Für die "Internationals", wie die Leute von Uno, OSZE, EU und Nato hier genannt werden, ist bis Juni ein "window of opportunity" offen, das so schnell nicht wieder kommt. Denn nachdem die Briten den Vorsitz im Sicherheitsrat im Mai an die USA übergeben und im Juni die Belgier übernehmen, folgen im Juli China und im August der Kongo. Von diesen beiden erwartet niemand, dass sie eine Kosovo-Lösung aktiv unterstützen. Die USA dementieren zwar wieder, dass sie dann auch eine einseitige Anerkennung des Kosovo ohne UN-Sicherheitsratsresolution unterstützen würden, die Kosovo-Albaner bereiten sich aber darauf vor.

Für die EU wäre eine einseitige Anerkennung des Kosovo ein Misserfolg ihrer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik. Nicht nur, dass einige Länder, wie die Slowakei, Spanien, Griechenland, Zypern und Rumänien nicht mitziehen wollen, weil sie in ihrem eigenen Land Separatisten fürchten - die geplante EU-Mission könnte einfach nicht stattfinden.

Zurzeit wird ein EU-Protektorat vorbereitet. Ein International Civil Representative (ICR) soll den UN-Verwalter ablösen. Der ICR soll ähnlich wie der Hohe Repräsentant in Bosnien-Herzegowina Politiker absetzen und Gesetze revidieren können. Für den Posten ist der Niederländer Pieter Feith im Gespräch.

Zunächst findet eine weitere Erkundungstour statt, um Russland entgegenzukommen. Am Donnerstag kommen Delegierte der 15 Sicherheitsratsmitglieder nach Belgrad und dann nach Prishtina. Im Büro von Premier Agim Çeku hat man jetzt Angst, dass die Kongolesen und Ghanesen einen schlechten Eindruck bekommen könnten, wenn sie am Flughafen von Prishtina aussteigen und den Müll sehen, der die Straßen säumt. (Adelheid Wölfl aus Prishtina/DER STANDARD, Printausgabe, 24.4.2007)