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Vaclav Havel beim 30. Jahrestag der Gründung der Bürgerrechtsbewegung Charta 77

oto: AP /Marta Myskova, CTK
München/Prag - Der frühere tschechische Präsident Vaclav Havel hat große Besorgnis über die jüngsten Entwicklungen in Russland geäußert. "Das ist eine sehr seltsame und beunruhigende Entwicklung, als würde hier eine Art neuer Typ eines postkommunistischen autoritären Systems geboren, das neue, raffiniertere Methoden anwendet als die, an die wir uns aus dem Kommunismus erinnern", sagte Havel in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Das Bestreben westlicher Regierungen, "gute Beziehungen zu diesem mächtigen Staat zu haben", dürfe nicht dazu führen, "dass wir vor verschiedenen Dingen, die dort passieren, die Augen verschließen", sagte Havel. "Es ist zwar nett, wie wunderbar sich Bundeskanzler Schröder mit den Putins angefreundet hat, aber ich gestehe gleichzeitig, dass mir Bedenken kommen wegen der Rohrleitung durch die Ostsee, die Polen umgehen soll", sagte der 70-Jährige. Über den russischen Ex-Präsidenten Boris Jelzin, der gerade beerdigt wurde, sagte Havel: "Wenn wir damals nicht Jelzin, sondern gleich Putin gehabt hätten, dann hätten sich die EU und die NATO nicht erweitert".

Zusammenarbeit mit den USA

Mit Nachdruck sprach sich der prominente ehemalige Dissident für die Errichtung eines Raketenabwehrsystems in Tschechien und Polen aus. Zudem plädierte Havel für eine enge Zusammenarbeit mit den USA. Es sei "immer gut, wenn Amerika ein bisschen in Europa verankert ist".

Die Anwesenheit der USA sei für Europa positiv, zumal wenn es um reine Verteidigungssysteme gehe. "Seien wir uns immer dessen bewusst, welche Weltkriege hier in Europa ausgebrochen sind, und die Amerikaner haben dann immer die Situation gerettet." Havel: "Die größte Gefahr für Europa ist Europa selbst." (APA)