Antananarivo - Die vor Afrika gelegene Tropeninsel Madagaskar wird von sozialen Unruhen erschüttert. Zentrum ist die Hafenstadt Tulear im Südwesten der Insel, wo es nach Medienberichten vom Wochenende zu blutigen Ausschreitungen zwischen Demonstranten und den Ordnungskräften kam. Die Bilanz der von der Opposition initiierten Proteste weist rund zwei Dutzend Verletzte aus, fünf davon schwer. Nachdem 25 Studenten verhaftet worden waren, nahmen ihre Kommilitonen Mitarbeiter des Gefängnisses als Geiseln, ließen sie aber später unverletzt wieder frei. Das Militär errichtete rund um die Universität und im Zentrum Straßensperren.

Im Zuge der Ausschreitungen, die sich auch gegen Anhänger des Merina-Volksstammes von Staatspräsident Marc Ravalomanana richteten, wurden Dutzende Läden geplündert und verwüstet. Rund 200 aus dem Hochland stammende und in Tulear ansässige Mitglieder dieser ethnischen Gruppe suchten in einem nahen Militärcamp in Tulear Zuflucht. Auch Läden von Indern und Pakistanis, die auf der viertgrößten Insel der Welt zu den erfolgreichsten Geschäftsleuten gehören, wurden geplündert, angezündet und zerstört. Am Sonntagmorgen gab es jedoch keine Hinweise auf weitere Proteste.

Protestmärsche

Auch in Majunga im Nordwesten und in Antsiranana ganz im Norden Madagaskars kam es in den vergangenen Tagen zu meist von Studenten angezettelten Protestmärschen, die oftmals eskalierten. In der Hafenstadt Tamatave im Osten richtet sich die Verärgerung mehrerer tausend Menschen gegen die Suspendierung und Verhaftung von Bürgermeister Roland Ratsiraka, der öffentliche Gelder unterschlagen haben soll.

Der Volkszorn hatte sich ursprünglich an der seit Jahren inselweit unbefriedigenden Versorgungssituation durch das marode staatliche Stromversorgungsunternehmen Jirama entzündet. Es schaltet in Tulear und anderen Großstädten oft tagelang die Elektrizität ab. Enorme Preissteigerungen bei Holzkohle, die von Spekulanten zu Schwarzmarktpreisen mit einem Aufschlag von 100 Prozent gehandelt wird, verschärften die Situation. Rund 85 Prozent der Bewohner der Stadt nutzen diese umweltschädliche Energieart zum Kochen und Heizen. Rund um diese südliche Metropole, in der die Opposition zahlreiche Anhänger hat, sind die meisten Wälder abgeholzt. (APA/dpa)