Dass Fußballer zuweilen Dinge sagen, die als geflügeltes Wort eine weit übers Stadion hinausreichende Runde machen, passiert öfter. Dass aber ein Fußballtrainer tatsächlich sprachprägend wirkt, ist singulär. Genau das aber ist dem Giovanni Trapattoni mit seiner mittlerweile längst legendären "Ich habe fertig"-Rede in München passiert.

Unlängst ist dem italienischen Startrainer, der nun mit Red Bull Salzburg seinen insgesamt 22. Titel feiert, wiederum der Kragen geplatzt. Diesmal ging es gegen Journalisten, die Trapattonis Trainingsmethoden infrage gestellt hatten, nachdem die Mannschaft gegen die lauffreudigen Mattersburger mit 2:3 aus dem Cup geflogen sind. "Das ist Frechheit", rief er erbost, "was verstehen Journalisten von Training. Wir trainieren, machen Kondition, Leute immer in die Rücken machen qua, qua, qua, quatsch."

Tatsächlich braucht sich einer wie Giovanni Trapattoni nur noch wenig sagen lassen. Denn ganz ohne Zweifel ist der 1939 in der Nähe von Mailand zur Welt gekommene Trapattoni einer der erfolgreichsten Fußballtrainer der Welt. Und dass der nun in Österreichs Bundesliga arbeitet, ließe sich wohl auch so ausdrücken: Giovanni Trapattoni - il tedesco, der Deutsche, nennen sie ihn daheim - hat sich herabgelassen. Geld - kolportiert werden fünf Millionen Euro pro Saison, so viel braucht ein durchschnittlicher heimischer Verein im Jahr - kann viel erklären. Aber einen österreichischen Verein trainieren?

Giovanni Trapattoni begann, nach einer aktiven Karriere in Mailand und Varese, seine Trainerlaufbahn 1972 beim AC Milan. Zwei Jahre später wechselte er nach Turin, wo er Juventus gleich zum Meistertitel führte, dem ersten einer wirklich stattlichen Reihe. Sein Job führte ihn zweimal auch nach München, wo er 1997 die Bayern zum Titel führte. Und diese Bayern-Connection war es wohl auch, die den Maestro, wie sie ihn auch nennen, via Mateschitz-Berater Beckenbauer nach Salzburg führte, wo er jedenfalls bis 2008 zu bleiben gedenkt.

Der Mann, dessen Herz zuweilen so übergeht, dass er es auf der Zunge trägt, ist seit 1964 und immer noch verheiratet, Vater von Sohn Alberto und Tochter Alessandra und ein bekennender Rechtskatholik, der sich dem Opus Dei verbunden fühlt, der vom Spanier Josefmaría Escrivá de Balaguer gegründeten Askesebewegung.

"Escrivá", so wird Trapattoni auf der Opus-Dei-Homepage zitiert, "liebte den Sport." Demut nach Siegen, Gelassenheit nach Niederlagen - das zum Beispiel sei "ein konkreter Weg, um zu Gott zu gelangen".

Der Umweg, den er mit seinem Weggefährten Lothar Matthäus nun geht, führt freilich nur über Dietrich Mateschitz und seinen Sprudel namens Red Bull. (Wolfgang Weisgram , DER STANDARD Printausgabe 30.04.2007)