Europas größter Softwarehersteller SAP will bei seiner Mittelstandsoffensive in Deutschland vor allem im Handel, beim Maschinenbau und den Autozulieferern auf Kundenfang gehen. "Je homogener eine Branche ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, mit einer Standardsoftware Erfolg zu haben", sagte Andreas Naunin, zuständig für das deutsche Mittelstandsgeschäft von SAP, in einem Gespräch mit der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX und der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Stuttgart.

Fuß fassen

Bei den Logistikdienstleistern mit einer Lösung für viele Betriebe Fuß zu fassen, sei für das Softwarehaus wegen der heterogenen Branchenstruktur dagegen weitaus schwerer.

Insgesamt sieht Naunin bei Mittelständlern mit bis zu 500 Mio. Euro Jahresumsatz noch großes Potenzial. Von den 25.000 Unternehmen in Deutschland seien bisher erst 2.850 Mittelständler bei der SAP. Bei Firmen unter einem Jahresumsatz von 20 Mio. Euro zählt der Walldorfer DAX-Konzern lediglich 1.500 Kunden - bei einem Markt von 250.000 und 340.000 Betrieben in Deutschland. "Da ist also noch jede Menge Potenzial", betonte der Manager.

Ziele

Mit 78 Prozent hat SAP in Deutschland bereits das weltweite Ziel erreicht, den Anteil an Mittelstandskunden von derzeit 65 Prozent auf 70 bis 80 Prozent zu steigern. Die Position der SAP im deutschen Heimatmarkt nennt der Mittelstandschef stark. Die SAP habe in ihrem Heimatmarkt einen noch größeren Marktanteil als im Rest der Welt. Die Wachstumsraten seien zweistellig. "Deutschland ist vergleichbar mit dem Markt in den USA und hat auch in Europa ein ganz starkes Gewicht."

Im Auge

SAP hat den Mittelstand schon seit einigen Jahren im Blick, konnte dort bisher aber nicht stark punkten. Dabei seien die Bedürfnisse von Mittelständlern ähnlich wie die von Großunternehmen. Auch kleinere Firmen hätten Vertrieb, Produktion und Verwaltung. Zudem arbeiteten alle in dem selbem globalisierten Marktumfeld, betonte der Manager. Der Unterschied seien die geringeren finanziellen Mittel: "Einem kleinen Unternehmen kann man wegen seines Budgets nicht einen Maßanzug anfertigen."

Image geändert

"Früher hielt der Mittelstand unsere Software für zu komplex und zu teuer", sagte Naunin. Mit einer groß angelegten Werbekampagne wollte SAP dieses Image ändern. Nun setze SAP auf günstigere und standardisierte Software. "Wir bieten einen Fixpreis und schnelle Implementierung der Software an." Je weniger der Kunde an der vorkonfigurierten Software ändern wolle, desto günstiger und einfacher sei der Einbau. Die Kosten für Einführung und Lizenzen belaufen sich nach seinen Angaben für kleinere Firmen auf rund 100.000 Euro.(APA)