Bisher galt Günther Platter als moderater Minister der ÖVP, doch nun hat der Chef des Innenressorts einen anderen Ruf: bei den Grünen, aber auch beim eigenen Koalitionspartner SPÖ. "Minister der Hartherzigkeit" und "Abschiebeminister" waren nur einige Titel, die ihm seine Behauptungen in Interviews der vergangenen Tage einbrachten, viele Asylwerber seien selbst schuld an der langen Verfahrensdauer. Außerdem hatte der Minister ihren Beratern vorgeworfen, die Verfahren unnötig in die Länge zu ziehen. Eine zynische Analyse angesichts Tausender - darunter zum Teil gut integrierte Familien -, die derzeit um ihr Aufenthaltsrecht zittern.

Von seinem Vorvorgänger Ernst Strasser war man Wortspenden wie diese gewohnt, von dem 53-Jährigen bisher nicht. Im Gegenteil: Als Verteidigungsminister galt Platter als bedacht und vorsichtig, hinter seinem Rücken führten das viele darauf zurück, dass er in seinem Herzen ein einfacher Gendarm geblieben war. Dabei hatte Platter ursprünglich auf einen anderen Beruf gesetzt. Zwei Jahre arbeitete er als gelernter Buchdrucker, bevor er in die Exekutive wechselte, wo der zweifache Familienvater es zum dienstführenden Gendarmeriebeamten in Landeck und Imst brachte. In diese Zeit fällt auch der Beginn seiner politischen Laufbahn.

In der ÖVP galt Platter bald als Mann für höhere Aufgaben. Aber nicht nur, weil er mit Ex-Kanzler Schüssel in der Freizeit gern gemeinsam den einen oder anderen Berggipfel bezwungen hat.

Vielmehr konnte der "Vorzugsstimmenkaiser" aus Zams während seiner Amtszeit als Verteidigungsminister einen einstimmigen Beschluss der Bundesheer-Reformkommission vorweisen.

Bei den Schwarzen galt auch die Vertragsunterzeichnung für die Eurofighter als Erfolg, auch wenn den umstrittenen Abfangjäger-Deal eigentlich sein blauer Vorgänger Herbert Scheibner eingefädelt hatte. Qualitäten bewies er auch in der Krise: Als im Dezember 2004 beim Bundesheer Misshandlungen von Grundwehrdienern aufflogen, bemühte sich Platter um rasche Aufklärung. Nachdem Ernst Strasser als Innenminister ging, rief ihn Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel für einige Wochen zum schwarzen Superminister für Verteidigung und Inneres aus. Größere Würfe aus dieser vierwöchigen Amtszeit sind freilich keine überliefert.

In der großen Koalition muss Platter nun offenbar Strassers Erbe als Hardliner antreten. Ob er diese Rolle ausfüllen kann? Als unbekannter Hinterbänkler im Parlament hat er zumindest schon einmal aufhorchen lassen. Damals fand er nichts dabei, wenn Schubhäftlinge in Hungerstreik zwangsernährt würden. Heute gibt es dafür längst die gesetzliche Möglichkeit.(Nina Weißensteiner/DER STANDARD, Printausgabe, 02.05.2007)