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Ein historisches Spektakel um die Ankunft der ersten Siedler in Amerika gehört zu den Feiern anlässlich 400 Jahre Jamestown; heute, Freitag, ist die Queen dort zu Gast.

Foto: AP
Sechs Tage lang weilt Königin Elisabeth II. zum Staatsbesuch in den USA. Auftakt war das Jubiläum "400 Jahre Jamestown". Die Stadt entstand aus der ersten Kolonialsiedlung in Amerika.

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"Bürger der USA brauchen sich nicht zu verneigen, wir sind nicht die Untertanen der britischen Königin." Diese Verhaltensregel gab Tim Kaine, Gouverneur des US-Bundesstaats Virginia, aus. Anlass war der sechstägige Staatsbesuch von Königin Elisabeth II., der gestern, Donnerstag, in Virginias Hauptstadt Richmond mit einer Rede der Queen vor der Generalversammlung begann.

Der Höhepunkt des königlichen Besuchs in Virginia ist aber heute, Freitag, ihr Abstecher nach Jamestown. Vor 400 Jahren entstand dort die erste englische Siedlung in der neuen Welt, die Bestand hatte. Dies wird am 13. Mai mit einem historischen Spektakel gefeiert, was manchen zu weit geht. Viel zu weit geht es den Nachfahren der Indianervölker, denen der fruchtbare Landstrich gehörte, bevor Europäer ihn kolonisierten. "Eine Invasion kann man nicht feiern. Ganze Stämme wurden ausgerottet", protestiert Mary Wade, Sprecherin des Rates der Indianer Virginias. Sich erinnern, das sei der richtige Begriff.

Während das Fort am James River für das weiße Amerika die frühe Geburtsstunde der Vereinigten Staaten markiert, symbolisiert es für das indianische Amerika eine Tragödie. Zudem war es Jamestown, wohin 1619 erstmals Zwangsarbeiter aus Afrika verfrachtet wurden - der Beginn der Sklaverei. Ergo sah sich die Queen mit der Forderung konfrontiert, für Englands führende Rolle beim Sklavenhandel um Verzeihung zu bitten. "Es wäre eine höchst willkommene Geste", sagte Donald McEachin, ein schwarzer Parlamentarier, der von verschleppten Afrikanern abstammt.

"Nicht 'Queenie' rufen!"

Der Samstag wird für die Queen entspannter werden, geplant ist ein Flug zum Kentucky Derby, Amerikas berühmtestem Pferderennen. Montag richtet US-Präsident George W. Bush ein Staatsbankett für Elisabeth II aus. Spezielle Hotlines verteilen gute Ratschläge für den Fall, das man der Königin angesichtig wird: Nicht "Queen" oder "Queenie" rufen, schon gar nicht "Liz"; bei eventuellem Händeschütteln darauf warten, dass Hoheit die Hand als Erstes ausstreckt - und: Die real existierende Elisabeth II. sieht älter aus als die Oscar-gekrönte Helen Mirren im Film "The Queen", also bitte nicht verwechseln!

Die ganze Beachtung dieses Besuchs liegt an der Faszination einer Frau, die schon im Rampenlicht stand, als die, die heute politisch den Ton angeben, noch in den Windeln lagen. Bush kam in die Schule, da wurde Elisabeth II. in der Westminster-Abtei gekrönt. Als wollte man der abtrünnigen Ex-Kolonie die Vorzüge einer langlebigen Monarchin schön aufs Butterbrot schmieren, veröffentlichte der Buckingham-Palast eine Schnappschuss-Serie königlicher Begegnungen mit berühmten Amerikanern.

Die Queen mit Harry Truman und Marilyn Monroe, mit John F. Kennedy, Neil Armstrong und Madonna. Schließlich die Queen mit Bill Gates, den sie zum Ritter schlug, ehrenhalber: Als US-Amerikaner, und damit Republikaner, durfte Gates den Rittertitel nicht wirklich annehmen.

Natürlich, auch in Jamestown ist Her Majesty schon gewesen. Vor 50 Jahren war das. (Frank Herrmann aus Jamestown/DER STANDARD, Printausgabe, 4.5.2007)