Caracas - Im Streit über die Verstaatlichung milliardenschwerer Ölprojekte hat Venezuela dem US-Energiekonzern ConocoPhillips mit der Ausweisung gedroht. Die Regierung des OPEC-Mitglieds warnte das Unternehmen am Donnerstag davor, sich weiter den Plänen des linkspopulistischen Präsidenten Hugo Chavez zu widersetzen. Ölminister Rafael Ramirez bekräftigte zudem, dass sein Land für die Verstaatlichung der vier Schweröl verarbeitenden Anlagen in der Orinoco-Region keine Bargeld-Entschädigungen zahlen und auch keine Schulden für die Projekt-Investitionen übernehmen wolle.

Im Gegensatz zu den ebenfalls betroffenen Unternehmen Exxon Mobil und Chevron aus den USA, Statoil aus Norwegen, der britischen BP und dem französischen Total-Konzern weigert sich ConocoPhillips bisher die Kontrolle über die Projekte an die Regierung abzutreten. Regierungsvertretern zufolge muss sich Conoco in den Verhandlungen nun hinten anstellen. Chavez hat den Konzernen bis zum 26. Juni Zeit gegeben, mindestens 60 Prozent der Anteile an den Staat abzutreten.

Experten zufolge sind die Unternehmen stark daran interessiert ein Standbein in Venezuela zu behalten, das außerhalb des Nahen und Mittleren Osten über die größten Ölreserven verfügt. Zudem versprächen die hohen Ölpreise trotz der Verstaatlichung immer noch einen hohen Gewinn für die verbleibenden Beteiligungen.

Entschädigungsforderung

Knackpunkt der Verhandlungen sind Entschädigungsforderungen für die Projekt-Investitionen. Die Unternehmen werfen Ramirez vor, ausgestattet mit einem Präsidentenerlass die Bedingungen diktieren zu wollen. Dieser erklärte nun: "Wir gehen nicht davon aus, irgendetwas für eine Einigung zu bezahlen."

Die vier Projekte in der Orinoco-Region sind Schätzungen Experten zufolge rund 30 Mrd. Dollar (22,0 Mrd. Euro) wert. Es werden dort über 600.000 Fass Rohöl am Tag weiterverarbeitet. (APA/Reuters)