Graz - "Ich kann nicht mehr nach außen treten und sagen, dieses Haus sei offen und steht für den Dialog der Kulturen", sagt die enttäuschte Pauline Riesel-Soumaré, die jahrelang genau diese Dialogbereitschaft für das Grazer Afro-Asiatische-Institut (AAI) verkörperte. Die aus dem Senegal stammende 38-Jährige managte - nachdem sie vor 16 Jahren zum Germanistik- und Kulturmanagementstudium nach Graz kam - interreligiöse und interkulturelle Projekte am AAI. Auch an der Organisation des Multi-Kulti-Balles an der Uni Graz war sie beteiligt. 2002 wurde Riesel-Soumaré im "Afro", wie das Haus, das in den 60er-Jahren von der Diözese Graz-Seckau eröffnet wurde, unter den Studierenden heißt, auch angestellt. Doch mit 1. Mai kündigte sie.

"Weil ich Muslimin bin"

Der Grund: Nachdem die frühere Leiterin, Angelika Vauti-Scheucher, Chefin der steirischen Kultur-Service-Gesellschaft des Landes, Instyria, wurde, empfahl diese Riesel-Soumaré als ihre Nachfolgerin. Auch Hochschulseelsorger Alois Kölbl, und viele aus dem Kuratorium des AAI, das von Stadt und Land mitfinanziert wird, wollten die kompetente Mitarbeiterin in dieser Funktion sehen. Doch Diözesanbischof Egon Kapellari war dagegen. "Mir wurde ausgerichtet, es geht nicht, weil ich Muslimin bin", erzählt Riesel-Soumaré dem Standard, "aber für die Basisarbeit war ich jahrelang gut genug".

Georg Plank, der Sprecher Kapellaris, bestätigt das: "Wie bei allen Dienstposten der Diözese ist es Bedingung, dass jemand katholisch ist." Warum Riesel-Soumaré dann jahrelang im Haus angestellt war? "Für Leitungsfunktionen gilt das dezidiert", erklärt Plank, "bei anderen Stellen gibt es Ausnahmen, die die Regel bestätigen." Riesel-Soumaré, "deren Arbeit vom Bischof sehr geschätzt wurde, war so eine Ausnahme". Plank räumt ein, dass ein "Fall für eine Anlassgesetzgebung" vorliege. Doch man müsse signalisieren, dass das AAI oder der Multi-Kulti-Ball kirchliche Institutionen seien: "Die meisten Leute wissen das nicht."

Bleibt abzuwarten, wer Leiter des AAI wird, denn "zu viel katholisch und nicht dialogfähig" dürfe man auch nicht sein, so Plank: "Das sind zwei Dinge, die bringen wir schwer unter einen Hut." (cms, DER STANDARD Printausgabe, 4.5.2007)