Die Nachrichten- und Finanzmarktdaten-Agentur Reuters hat eine Übernahmeanfrage erhalten. Dies bestätigte der Reuters-Vorstand am Freitag in London, ohne den Interessenten zu nennen. Es stehe jedoch nicht fest, ob und zu welchen Bedingungen es zu einer Übernahme kommen werde. Eine weitere Mitteilung werde zu gegebener Zeit erfolgen, hieß es weiter. Die Reuters-Aktie kletterte bis Freitagmittag um über 30 Prozent und notierte bei 641 Pence. Das war der höchste Anstieg an einem einzelnen Tag seit dem Börsengang 1984, teilte das Unternehmen mit. Zeitweise lag der Unternehmenswert bei 7,9 Mrd. Pfund (10,2 Mrd. Euro).

Thomson Financial oder News Corp interessiert?

In Londoner Börsenkreisen kursierten Gerüchte, wonach der kanadische Finanzinformationsdienstleister Thomson Financial an den Briten interessiert sein soll. Es wurde von einem Angebot zwischen 610 und 660 Pence ausgegangen. "Wir glauben, Thomson ist der wahrscheinlichste Bieter. Sie sind bereits ein großer Player auf dem Finanzmarktmarkt und haben die finanzielle Power für dieses Geschäft", schrieb ein Analyst von Numis Securities. Thomson kommentierte die Berichte zunächst nicht.

Auch über ein Angebot von News Corp wurde spekuliert. Das dem australischen Medienunternehmer Rupert Murdoch gehörende Medienkonglomerat hatte erst vor wenigen Tagen dem US-Medienkonzern Dow Jones mit seinem Flaggschiff "Wall Street Journal" ein Kaufoffert für fünf Mrd. Dollar unterbreitet, die von deren Mehrheitseigentümer bisher abgelehnt wird.

Schwierige Übernahme

Reuters, nach eigenen Angaben die größte Nachrichtenagentur weltweit, hat eine komplizierte Aktionärsstruktur, wodurch eine Übernahme schwierig werden könnte. Der Reuters Founder Share Company gehören 15 Treuhänder an, die die Unabhängigkeit des Unternehmens sichern sollen und durch eine einzige so genannte "Goldene Aktie" eine feindliche Übernahme blockieren könnten. Thomson hatte erst im vergangenen Jahr seinen Finanznachrichtendienst ausgebaut und AFX News in London für 20 Mio. Dollar gekauft. Reuters hat seine Zentrale in London und 16.900 Mitarbeiter in 94 Ländern. Der Erlös der Unternehmensgruppe lag nach einer schwierigen Zeit 2006 bei 2,6 Mrd. Pfund. (APA/dpa)