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In absehbarer Zeit werden die Walrösser wohl keine Eisenbahn-Anrainer werden.

Foto: AP Photo/U.S. Fish and Wildlife, Liz Labunski
Moskau - Seit mehr als einem Jahrhundert träumen Ingenieure und Unternehmer vom längsten Tunnel der Welt, der die östliche und westliche Hemisphäre unter der Beringstraße verbinden soll. Die Russische Revolution und der Erste Weltkrieg brachten erste Versuche zur Verwirklichung dieses Traums früh zum Scheitern. Jetzt wittern Verfechter des kühnen Plans ihre Chance, das Projekt endlich umzusetzen: ein umgerechnet 48 Milliarden Euro teurer Tunnel, der zwei der unwirtlichsten Regionen der Welt verbinden soll.

Amerikaner und Russen diskutierten Ende April auf der Konferenz "Großprojekte für Russlands Osten" in Moskau über das Projekt. Durch die Verbindung zwischen Russlands östlichster Region und Alaska könne man noch unberührte natürliche Ressourcen erschließen, sagte der ehemalige Gouverneur Alaskas, Walter Hickel. Beide Regionen würden nach seiner Ansicht von einer Verbindung wirtschaftlich profitieren.

Eisenbahnroute London-Moskau-Washington als Vision

Mit 110 Kilometern wäre es der längste Tunnel der Welt. Mehr als doppelt so lang wie der Ärmelkanaltunnel zwischen Frankreich und England, der derzeit mit 50 Kilometern Länge den Rekord hält. Die Organisatoren der Konferenz träumen schon von einer Eisenbahnroute London-Moskau-Washington. Der Tunnel könne als Verbindungsstück für eine 6.000 Kilometer lange Eisenbahnstrecke dienen, die von den rohstoffreichen Regionen Sibiriens durch den rauen russischen Nordosten bis nach Alaska verlaufen solle. Dort herrschen in Winter Temperaturen von minus 70 Grad.

Wenn die Straßen und Schienen konstruiert seien, würden im nächsten Schritt Öl- und Gaspipelines installiert sowie Strom- und Glasfaserkabel verlegt. Die Züge würden mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde Waren transportieren, 80 Meter unter der Meeresboden. Etwa drei Prozent des weltweiten Warentransports könne der Tunnel bewältigen und in 30 Jahren erste Gewinne einfahren, schätzen die Organisatoren.

Astronomische Kosten

Wie ein solches Mammutprojekt finanziert werden könnte, ist jedoch noch völlig unklar. Die russische Behörde für Sonderwirtschaftszonen wolle das Projekt nur dann mitfinanzieren, wenn private Investoren zusichern, den Tunnel zu bauen, sagte Maxim Bystrow, stellvertretender Leiter der Behörde. Für solche Projekte sei eine gesicherte finanzielle Basis nötig. Allein die Prüfung der Durchführbarkeit des Projekts würde 88 Millionen Euro kosten und zwei Jahre dauern, sagten die Organisatoren. Bis das Mammut-Projekt fertig gestellt wäre, könnten weitere 20 Jahre vergehen.

Der Wunsch, Ost und West zu verbinden, hat eine lange Geschichte. Russlands letzter Zar, Nikolaus II., hatte ähnliche Vorstellungen zum Bau eines Tunnels. Der Zar hatte das rohstoffreiche Alaska im Auge, das Russland den Amerikanern 1867 verkauft hatte. Revolution und Erster Weltkrieg ließen das Vorhaben dann aber scheitern.

Und auch ob es im 21. Jahrhundert verwirklicht wird, scheint fraglich. Ein enger Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten Wladimir Putin und der Eisenbahnminister waren zur Konferenz eingeladen, sagten aber in letzter Minute ab. Die Konferenzteilnehmer riefen in ihrer Abschlusserklärung die Regierungen in Russland, den USA, Japan, China und der Europäischen Union dazu auf, den Tunnelbau als Teil ihrer wirtschaftlichen Entwicklungsstrategien zu sehen. Außerdem forderten sie, das Thema auf dem bevorstehenden G-8 Gipfel in Deutschland zu behandeln. (APA/AP)