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Foto: dpa/ Jens Wolf
Graz – "Ich kann es nicht anders sagen, es ist eine Schweinerei, was da passiert ist", ärgert sich Mario Kowald, der Geschäftsführer des Steiermärkischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (StBSV) im Gespräch mit dem Standard. Wie am Montag bekannt wurde, erstattete der 1921 in Graz gegründete StBSV schon im Vorjahr Anzeige gegen einen anderen – vor zwei Jahren – angemeldeten Verein: Das ebenfalls in Graz ansässige Österreichische Blindenhilfswerk (ÖBHW). Denn angeblich soll dieses mit den "exakt von uns abgekupferten Zielen" (Kowald), nämlich der Errichtung eines neuen Blindenzentrums, Haussammlungen durchgeführt haben und "bis zu 200.000 Euro" eingenommen haben. (Das Gebäude in dem der StBSV in Graz-Gösting derzeit noch untergebracht ist, ist nämlich baufällig.

Baugenehmigungsverfahren und Pläne seien in der Zielgeraden, so Kowald.) Das allein würde freilich für eine Anzeige wenig Anlass geben. Doch Kowald will nach "Monate langen Recherchen und Ermittlungen" herausgefunden haben, dass die Geldflüsse des ÖBHW auf Privatkonten in Österreich und Thailand versiegten: "Die Sache ist mittlerweile gerichtsanhängig, die Konten sind gesperrt".

Spendengütesiegel

Der StBSV lebt zum größten Teil von Spenden, wobei man das Spendengütesiegel der Kammer der Wirtschaftstreuhänder inne habe, erzählt Kowald weiter. "Dieser andere Verein hat ohne Spendengütesiegel und angeblich auf aggressive Weise gesammelt. Das ist ein Schaden für alle Blinden in der Steiermark". Zudem sei "kein Euro" einem blinden Menschen zu gute gekommen. "Das sind alles Fehlinformationen", sagt hingegen Gerold Kim, der Anfang des Jahres zurückgetretene Obmann des ÖBHW. "Das ist reiner Brotneid. Vielleicht sind sie unfähig oder nicht gewillt, Mitglieder anzuwerben". Von 200.000 könne außerdem gar keine Rede sein: "Wir hätten gerne so viel umgesetzt, aber es waren nur 150.000 und von denen können wir 98 Prozent mit Rechnungen belegen", weist Kim jede Schuld von sich. Laut Polizeiakten überwies Gerold Kim auch größere Beträge an seine Gattin.

Vom Standard gefragt, wie man sich die thailändischen Konten erklären könne, meint Kim: "Wir haben uns erlaubt, eine thailändische Blinde zu unterstützen". Eine Erklärung, die Kowald nicht gelten lassen will: "Es steht nichts in den Satzungen davon, dass das ÖBHW im Ausland tätig ist". Auch dem Nachfolger Kims, dem neuen Obmann Norbert Havrilla, der in Graz Klienten die Zukunft aus den Karten liest, traut Kowald nicht über den Weg.

Kim betont indes, nur vorübergehend seine Funktion niedergelegt zu haben, solange das Verfahren ein schwebendes ist: "Aber das wird sowieso eingestellt, wir können ja immerhin alles belegen." Während die Grazer Staatsanwaltschaft weiter ermittelt, sieht Kowald eher Gefahr in Verzug, da das ÖBHW ständig seine Adresse ändere. Auf der aktuellen Homepage fand sich jedenfalls bereits am Montag der Hinweis: "Adresse und E-Mail werden demnächst erneuert. Sämtliche Änderungen werden bekannt gegeben". (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe, 8.5.2007)