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US-Präsident George W. Bush durfte sich auf Geheiß seiner Gattin und der Außenministerin Condoleezza Rice in einen Frack zwängen, was Königin Elisabeth II. nicht offensichtlich imponierte.

Foto: AP
George W. Bush liebt die legere Pose, Jeans, ausgetretene Schuhe, Füße entspannt auf dem Tisch. Es gehört zum Image eines Texaners, der er zwar nicht ist, das er aber mit Leidenschaft pflegt. Umso neugieriger waren alle Augen auf den US-Präsidenten gerichtet, als der im Frack, angetan mit weißer Fliege, am Nordportal seiner Residenz stand, um auf die Limousine der Queen zu warten. Würde er wieder ins Fettnäpfchen treten?

"White tie", die edelste Stufe des Protokolls, feierte in der Nacht zum Dienstag Premiere im Weißen Haus. Gemäß diesem Protokoll musste nicht nur Bush, sondern alle männlichen Gäste Frack und weiße Fliege tragen.

Bevor das pompöse Staatsbankett zu Ehren der britischen Königin über die Bühne gehen konnte, mussten zwei Frauen den burschikosen Amtsinhaber ziemlich hartnäckig bearbeitet haben. "Dr. Rice und ich, wir haben den Präsidenten dazu überredet", erzählte Laura Bush, die First Lady, wobei sie ohne Umschweife zugab, dass Condoleezza Rice, die Außenministerin, genauso viel Einfluss auf ihren Mann hat wie sie. "Aber wir dachten uns, wenn wir jemals eine Feier mit Frack bei uns erleben, dann jetzt."

Spätes Schlafengehen

Das Bankett für die 81 Jahre alte Elisabeth II. war der Höhepunkt ihrer mit zahlreichen Terminen gespickten, sechstägigen Reise durch den Osten der USA. Der Hausherr ging extra später ins Bett, nicht um 21 Uhr, wie gewohnt, sondern gut zwei Stunden später. Ins Fettnäpfchen trat Bush nicht an dem Glamourabend, anders als wenige Stunden zuvor bei einer Begrüßungsrede, auf einem Podest neben der Queen.

Her Majesty, schmeichelte er, habe den Vereinigten Staaten bereits geholfen, ihren 200. Jahrestag zu feiern, "17..., äh, 1976". Mit einem einzigen Versprecher hatte er Hoheit um 200 Jahre älter gemacht. Den irritierten Seitenblick der königlichen Dame quittierte Bush mit einem Witz: "Sie haben mich angeschaut, wie nur eine Mutter ihren Sohn anschauen kann."

Da war er also wieder, der verbale Fauxpas, der zum 43. US-Präsidenten gehört wie die schöne Wortschöpfung ",misunderestimated", doppelt gemoppelt für "unterschätzen". 1991, als sein Vater, der damalige US-Präsident, ein Galadiner für Britanniens Staatschefin ausrichtete, hatte Bush Junior noch den Ruf des bösen Buben gepflegt. "Ich bin das schwarze Schaf der Familie", stellte er sich der Königin vor. "Und wer ist in Ihrer Familie das schwarze Schaf?"

Nicht, dass Amerika allzu viel gäbe auf Peinlichkeiten im Angesicht eines gekrönten Hauptes, das die meisten sowieso nur als glitzernde Extravaganz verstehen, nicht als Symbol geschichtlicher Kontinuität, wie viele Briten ihre Monarchin noch immer sehen. Keineswegs untypisch die Stimme Charles Krauthammers, eines neokonservativen Kommentators, der Bush nahe steht. "Sie hat die vergangenen fünfzig Jahre damit verbracht, Tee zu trinken und rote Bänder zu zerschneiden. Da kommt man doch fast auf Selbstmordgedanken."

Resoluter Ton

Rache oder nicht, jedenfalls hielt die Verspottete beim Bankett eine Rede, die deutlich über die vorgeschriebenen Höflichkeitsfloskeln hinausging. In resolutem Ton führte sie dem Präsidenten der Vereinigten Staaten vor Augen, für welch kurze Episode der Weltgeschichte er steht.

"Regierungen in Ihrem und in meinem Land kommen und gehen", sagte Elisabeth II., "aber wir werden reden, wir werden zuhören müssen, von Zeit zu Zeit nicht einer Meinung sein. Vereint werden wir immer bleiben müssen. Ob in Irak oder Afghanistan, beim Klimawandel oder der Ausrottung der Armut: Die internationale Gemeinschaft kämpft mit Problemen, die gewiss nicht weniger kompliziert sind als diejenigen, mit denen unsere Vorfahren im 20. Jahrhundert zu tun hatten." (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 9.5.2007)