Paris/Tokio - Drei Tage nach der Wahl des Konservativen Nicolas Sarkozy zum französischen Staatschef haben Pariser Studenten einen ersten Uni-Streik beschlossen. Wie eine AFP-Korrespondentin berichtete, entschieden sich nach mehr als dreistündiger Vollversammlung am Mittwochnachmittag rund 800 Hochschüler mit Mehrheit dafür, den zur Universität Paris I Panthéon-Sorbonne zählenden Uni-Standort Tolbiac im Süden der Stadt zu blockieren. Zur Begründung verwiesen sie auf die von Sarkozy geplanten Hochschul-Reformen.

Das Uni-Hochhaus in der Rue Tolbiac wurde umgehend geräumt, der einzige Zugang über die Lifte lahmgelegt. Mitglieder der größten Studentengewerkschaft UNEF hatten bei der Vollversammlung vergeblich gesagt, noch sei es "zu früh" für Streikaktionen. Schließlich habe Sarkozy noch nicht mit der Umsetzung seines Programms begonnen. "Jene, die für die Blockade gestimmt haben, wollen einen Aufruhr machen, aber das schadet der Bewegung", sagte der UNEF-Vertreter Benoit Rogeon. Er warnte vor der Gefahr, dass die Studenten nächstes Jahr, "wenn es wirklich notwendig sein wird", nicht mehr mobilisieren wollen.

Die Studenten richteten überdies einen Appell an alle Arbeitnehmer, sich dem Streik anzuschließen. "Vereinen wir unsere Kräfte, um die wirtschaftsliberale, autoritäre, rassistische Politik von Sarkozy zu bekämpfen", heißt es in dem Appell. Das Gebäude von Tolbiac war zuletzt bereits während der Proteste gegen den Erstanstellungsvertrag CPE im Frühjahr 2006 Wochen lang blockiert. Die Universität Tolbiac ist traditionell sehr links verankert und stark mobilisiert.

Unterdessen zeigte sich der langjährige Präsidentenberater Jacques Attali überzeugt, dass es wegen Sarkozys Reformprogramm zu Spannungen in Frankreich kommen werde. Wenn Sarkozy nur die Hälfte dessen, was er versprochen habe, umsetze, "wird dies viele Störungen mit sich bringen", sagte Attali in Tokio und prophezeite: "Der Herbst wird sehr wichtig." Dann werde sich zeigen, wie die Franzosen auf Sarkozys Reformen reagierten. Er setze darauf, dass Sarkozy "nicht zurückweichen" werde, sagte Attali, der zu den wichtigsten Beratern des sozialistischen Staatschefs François Mitterrand (1981 bis 1995) gezählt hatte. (APA)