Sonntagsfrühstück im Bett

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+++Pro Von Renate Graber Man muss es sich nur vorstellen. Ein großes Bett mit weichen, ganz, ganz weichen Polstern und Tuchenten, weiß überzogen, nach Sommer und Sonne duftend. Da drinnen, tief vergraben, schläft sich's embryonengleich. Ein Klopfen dann, von einem, der beschäftigt ist, draußen in der Küche, aus der schon Kaffee rüberduftet, in der der Kakao schaumgesprudelt wird.

Noch einmal kurz die ohnedies nur einen Millimeter geöffneten Augenlider zufallen lassen, noch einmal umdrehen, weiterträumen. Von einem großen Bett, mit ganz, ganz weichen Polstern und Tuchenten, nach Sommer duftend, und vom Frühstücken im Bett.

Und dann: aufwachen, aufrichten, essen. Denn es ist da, das Tablett mit dem Kakao, Orangensaft, Espresso, vielleicht mit Butterbrot und Ei, weil am Sonntag zu Mittag kommt das ganz gut. Ob's nicht auch Cornflakes gibt?

Ja, wenn er mag. Ich hol sie gern, für meinen Sohn tu ich ja fast alles. Ich selbst steh ja lieber früher auf und brösle den Küchentisch an. Der Espresso ist dann übrigens für mich.

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Contra---
Von Doris Priesching

Eine Scheibe Brot mit Marmelade (selbst gemacht). Eine mit Honig. Eine Kanne Tee. Sonntags höchstens ein weiches Ei. Von Kindesbeinen an nährt mich diese Kombination am Morgen. Und zwar aufrecht. Am Tisch. Sitzend.

Es ist ja nicht wegen der Brösel im Bett oder der Marmeladepatzer auf der Tuchent. Gut, ist es auch. Piksende Zwiebackkrümel sind gar nicht toll - sorry Wencke Myhre! Aber abgesehen davon: Frühstücksrituale folgen medial vorgegebenen Glücksversprechen. Nicht umsonst wird in der Daily Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" auffallend oft und in allen Lebenslagen gefrühstückt. Das soll je nach Bedarf soziale Sicherheit oder romantisch-feuchte Annäherungen suggerieren. Die Wahrheit? Der Reiz, liegend Croissantberge reinzupampfen und danach vielleicht auch noch - na ja, Sie wissen schon - machen, ist enden wollend.

Keine Ahnung, woher die Abneigung kommt. Übrigens: Wer das Sonntagsfrühstück machen muss, entscheidet bei mir daheim meistens das Los. Ich verliere verlässlich. (Der Standard/rondo/11/05/2007)