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Zweimal gewannen die Neuseeländer bereits den America's Cup. Für das Halbfinale der Herausforderer wählten sie sich die Spanier als Gegner.

Foto: REUTERS/Victor Fraile
Valencia - Als der historische Habfinaleinzug des spanischen America's-Cup-Teams gewiss war, sprang Rita Barbéra im Hauptquartier von Desafío Español jubilierend an die Decke. In dem Meer aus grünen spanischen Teamtrikots wirkte die Bürgermeisterin von Valencia mit ihrem knallroten Kostüm wie ein aufgeregter Flummi. Die normalerweise strengen Gesichtszüge der rechts-populistischen Matronin verwandelten sich in schwungvolle Linien der Freude. Denn auch Barbéra, die Spaniens drittgrößte Stadt seit 16 Jahren regiert, gilt in diesen Tagen als Siegerin. Sie hatte sich für die Austragung des 32. Cups stark gemacht. Später sprach Barbéra, wie immer mit betonierter Haarspray-Frisur, in die TV-Kameras. "Ich bin stolz, dass ein spanisches Team bei uns in Valencia Geschichte schreibt." Hinter ihr stürzten sich ein paar Segler freudenstrahlend ins Hafenbecken. Pathos und Komik liegen in Spanien nie weit auseinander.

Unglücksfarbe

In Valencia, das offensichtlich ein gestörtes Verhältnis zu seiner Seeseite hat, war das Segelereignis anfänglich wie ein fremdartiges Wesen aufgenommen worden. Nur zögerlich kamen die Menschen in die Segeloase, die vor ihrer Verwandlung ein lauter, staubiger Frachthafen war. Am vergangenen Sonntag aber waren 63.000 Besucher in die Darsena geströmt, um ihr Team zu bejubeln. Immer seltener hört man nun noch Fragen wie: "Wie, gibt es bei uns einen Hafen?" "Sind die Grünen die Spanier?" "America's Cup?! Hä?" Mit der Farbe Grün hat es das spanische Team allerdings nicht sonderlich glücklich getroffen. Nicht nur, weil die Segler so aussehen wie giftige Grasfrösche, sondern auch weil Grün in der spanischen Segelszene als Unglücksfarbe gilt.

Zu Beginn stand die vierte spanische Kampagne der Cupgeschichte tatsächlich unter keinem guten Stern. Denn die spanischen Yacht-Clubs konnten sich nicht entscheiden, für welchen Club das Team antreten sollte. Auf sanften Druck des Königs Juan Carlos, der in guter Bourbonen-Tradition selbst ein leidenschaftlicher Segler ist, kam doch noch ein Kompromiss zustande. Nun startet Desafío (Herausforderung) für den nationalen Segler-Verband.

Skandal

Eine große Überraschung ist der Spanier Einzug als Vierte der Vorrunden ins Halbfinale nicht. Experten hatte sie nach guten Leistungen im vergangenen Jahr schon früh auf der Rechnung. Mit rund 63 Millionen Euro hat man ein ordentliches Budget, zudem legte man mit dem Einkauf des Design-Pakets des US-Syndikats OneWorld eine solide Basis für den Erfolg. Man holte Spitzenleute wie den Neuseeländer John Cutler und später den polnischen Steuermann Karol Jablonski, dessen Verpflichtung allerdings zum nationalen Skandal geriet. "Die spanische Presse", sagt der Match-Race-Weltmeister von 2003, "hat ganz schön Druck ausgeübt. Die haben sich wohl einen spanischen Steuermann gewünscht." Jablonski, der von der Presse nur "El Polaco" (Der Pole) genannt wird, setzte sich durch, gilt aber nicht als stabiler Erfolgsgarant. "Manchmal macht er unglaublich große Fehler", sagt Philippe Mourniac vom deutschen Team. "Und manchmal ist er einfach großartig."

Ein Finaleinzug der Spanier wäre eine Überraschung. Niemand hat die Grünen auf der Rechnung. Ab Montag treten sie im Halbfinale gegen den zweifachen Cup-Sieger Neuseeland an. Um den zweiten Finalplatz matchen sich Luna Rossa aus Italien und BMW Oracle aus den USA. Neuseeland hatte nach einer taktischen Meisterleistung den Topfavoriten BMW Oracle im letzten Rennen haushoch geschlagen, sicherte sich damit nicht nur den ersten Tabellenplatz, sondern auch das Recht, sich den Halbfinalgegner aussuchen zu können. Steuermann Dean Barker wählte wie erwartet die Spanier. Auf die Frage, wen Jablonski gewählt hätte, wäre er Barker gewesen, sagte der Pole: "Ich hätte auch uns gewählt." (Ingo Petz, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 11. Mai 2007)