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Beim Prozess 1994, heute laut Freunden "alt und ergraut": Theologe Helmut Frodl

Foto: APA/Robert Jäger
Linz - Am 13. Oktober 1994 hieß es für den smarten Sunnyboy und Ex-Moderator der ORF-Sendung "Ohne Maulkorb" Abschied nehmen vom Jet-Set. Im Wiener Justizpalast wurde Helmut Frodl wegen eines der schaurigsten Verbrechen österreichischer Kriminalgeschichte zu lebenslanger Haft verurteilt. Der heute 49-Jährige hatte 1992 gemeinsam mit seinem damaligen Steuerberater den Wiener Tonstudiobesitzer Fritz Köberl nach Budapest gelockt. In der ungarischen Hauptstadt wurde das Opfer dann betäubt und von Frodl mit vier Genickschüssen getötet. Den Leichnam zersägte der einstige "Jolly Joker"-Regisseur in der Badewanne mit einem Fuchsschwanz in 17 Teile und verteilte diese quer über Budapest.

15 Jahre nach der Tat dürfte Frodl jetzt aber seine wahre Berufung gefunden haben: Vor wenigen Wochen schloss er als Häftling der Justizvollzugsanstalt Garsten sein Theologie-Studium an der "Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz" (KTU) mit ausgezeichnetem Erfolg ab. Der Neo-Theologe mit dunkler Vergangenheit studierte am Institut für Gesellschaftslehre und Pastoralsoziologie. Sozialethisches Thema der Diplomarbeit: "Der Wandel der Arbeit, analysiert anhand von kirchlichen Texten". An der KTU galt Frodl stets als Muster-Student. "Er ist ein blitzgescheiter Mensch und war als Student überaus fleißig", zeigt sich Ferdinand Reisinger, Professor für Gesellschaftslehre und Pastoralsoziologie, im STANDARD-Gespräch durchaus angetan von seinem "Häfn-Diplomanden".

Keine bedingte Strafe

Helmut Frodl habe für sein Studium "natürlich länger gebraucht" als andere Mitstudenten. "Er konnte nur bedingt in einem Stück studieren. Zu manchen Vorlesungen und Prüfungen ist er an die KTU gekommen, dann sind wir wieder nach Garsten gefahren", erläutert Reisinger zeitliche Verzögerungen.

Am Ende eines erfolgreichen Studentendaseins steht als krönender Abschluss die Sponsion. Helmut Frodl wird auf Wunsch von Universität und Justiz in einer seperaten Zeremonie halb offiziell zu akademischen Ehren kommen. "Herr Frodl wird von Justizwachebeamten zur Feier begleitet, hat aber die Möglichkeit, ihm nahe stehende Personen einzuladen", heißt es auf Anfrage aus dem Justizministerium. Einen konkreten Sponsionstermin gebe es aber noch nicht.

Fix ist aber, dass dieser noch im Mai stattfinden wird, da die offiziellen Sponsionsfeiern im Juni über die Bühne gehen werden. Doch auch abseits der Uni wandelt Frodl offensichtlich am Pfad der Tugend. In Garsten arbeitet der einstige Playboy in der Anstaltsbibliothek und leitet die Theatergruppe "Ruhestörung". Nebenbei versucht sich Frodl auch als Buch- und Bühnenautor. Unter dem Pseudonym "Hugo Berg" schrieb Frodl im Dezember 2002 in oberösterreichischer Mundart die Hiob-Parabel "In Hiob Bauern sei Ölend".

Keine vorzeitige Entlassung

Seinen Aktivitäten in Garsten wird er sich wohl auch in die kommenden Jahren ausreichend widmen können. Frodl hatte heuer erstmals die Möglichkeit, einen Antrag auf vorzeitig bedingte Entlassung zu stellen. Dieser wurde jetzt aber vom Gericht abgewiesen. Frodl hat bereits angekündigt, weiter studieren zu wollen.

Bei einer vorzeitigen Entlassung hätten ärztliche Gutachter ein gewichtiges Wort mitzureden. Der Mordprozess hatte nämlich ergeben, dass Frodl am so genannten Borderline-Syndrom leidet. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 11.5.2007)