Foto: Einar Schleef, Courtesy: Akademie der Künste, Berlin

Sangerhausen vor 1976, dem Jahr der Zäsur, als Schleef die DDR verließ.

Foto: Schleef Erben
"Er ist weder im Osten angekommen, noch im Westen angekommen, er ist immer unabhängig geblieben", erzählt Regine Herrmann, die Kuratorin der Ausstellung Kontaktbögen, deren Konzept der Theater- und Filmemacher, Schriftsteller und Fotograf Einar Schleef 1999 noch selbst erstellte. Die Zerrissenheit zwischen den zwei Deutschlands zieht sich auch durch die Bilder, deren Zusammenstellung eng mit den beiden bereits bei Suhrkamp erschienenen Tagebüchern und dem dritten, demnächst erscheinenden, verbunden war.

Gestern, Freitag, wurde die bisher umfassendste Ausstellung großer Teile von Schleefs Fotoarchiv in Kooperation mit der Akademie der Künste Berlin in den Räumen der Camera Austria im Grazer Kunsthaus eröffnet. Gabriele Gerecke, die Arbeits- und Lebenspartnerin Schleefs, selbst auf vielen Bildern zu sehen, führte gemeinsam mit Herrmann durch die Ausstellung, die viel über den Blick Schleefs auf seine unmittelbare Umgebung und auch über seine stets in Serien abgewickelte und neu montierten Arbeitsweise verrät: Im Privaten begann Schleef zu fotografieren, nachdem er 1964 nach Berlin gekommen war, um hier zu studieren: Schwarz-Weiß-Porträts seiner Freundin, eine über Jahre gehende Studie eines großen Baums und immer wieder Selbstporträts.

In den Stadtansichten, etwa von seinem Geburtsort Sangerhausen, von Berlin, wo er 2001 starb, sowie in Aufnahmen in New York näherte sich sein Blick immer mehr versteckten Details wie den Strukturen von Pflastersteinen oder Zäunen und Gittern. Einfühlsame Fotografien älterer Menschen ziehen den Betrachter in die chronologisch aufgebaute Schau. (cms / DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.05.2007)