Der österreichische Magazinmarkt ist ein ganz besonderer. Es werden ihm weder ein enormes Wachstumspotenzial noch außergewöhnlich gute Entwicklungschancen nachgesagt. Dennoch kämpfen viele Verlagshäuser mit immer mehr neuen Produkten und Line-Extensions um die Gunst der immer weniger werdenden Zeitschriftenleser. Wie passt das zusammen? Gibt es geheime Nischen oder zukünftige Entwicklungen, von denen wir nichts wissen? Unterschiedliche Institutionen messen die Auflagenzahlen, die Leser und die potenziellen Kunden, jedoch kein Unternehmen ist zu einer dieser Kontrollen verpflichtet. Die heiß begehrte Währung, der Leser, und damit auch Anzeigenwahrnehmer, beruht auf Schätzungen und Richtwerten. Wie überleben die Unternehmen und wie etablieren sie immer wieder neue Magazinmarken?

Chancen und Risiken einer Line Extension

Ist eine Line-Extension der Schlüssel zum Erfolg in einem gesättigten und reich bestückten Markt? Die Arbeit untersucht die Chancen und Risiken die mit der Einführung einer Line-Extension verbunden sind durch Interviews mit Experten der österreichischen Magazinlandschaft. Darunter sind Vertreter der großen überregionalen österreichischen Verlagshäuser: Drei separat agierende Verlagsgesellschaften der Konzernmutter Styria Multimedia AG, die Verlagsgruppe News, der Sportmagazinverlag und die Bull Verlagsgesellschaft. All diese Unternehmen wenden unterschiedliche Strategien an, um ihre Produkte zu erhalten, zu verbessern oder neue einzuführen. Dennoch finden sich viele Gemeinsamkeiten, die teilweise auch unterwartet sind. Als Ergebnis werden auch Meilensteine einer Markteinführung entwickelt, die eine Art Hilfestellung zu einem 'Idealfahrplan' darstellen sollen.
Die Arbeit geht mittels Einsatz von Experteninterviews der Frage nach, welche Chancen und Risiken damit verbunden sind.

Ergebnisse

1. Gratisprodukte im Zeitschriften-Segment stellen nicht zwingend eine Bedrohung dar, sie können auch mithelfen, Nicht-Leser zu Magazinlesern zu machen und damit sich und anderen Medienprodukten neue Leserschichten erschließen. Ein besonderes Augenmerk liegt hier auf jugendlichen Lesergruppen.

2. Der derzeitige Trend auf dem Print-Sektor lässt darauf schließen, dass die Dominanz von Gratismagazinen auf der einen und Exklusivprodukten auf der anderen Seite es zukünftig erschweren wird, Produkte im mittleren Segment nachhaltig zu plazieren. Es ist daher für die Zukunft eine stärkere Polarisierung zu erwarten.

3. Customer Relationship Marketing und Dialogmarketing werden immer wichtiger und stellen die Festigung ganzheitlicher und individueller Marketing-, Vertrieb- und Servicekonzepte in den Vordergrund.

4. Im Zuge der Medienkonvergenz wird crossmediale Line-Extension auch als Marketingstrategie von Markenartikeln zunehmend bedeutsam, was neue Kooperationen im Magazinsektor ermöglicht.

5. Ein spezielles Analysemodell („Modell der 5 Meilensteine“) ermöglicht es, einerseits dem Trend zur zielgruppengenauen Ansprache der Kunden („Der Leser soll in seinem Lebensumfeld abgeholt werden.“) zu entsprechen, und andererseits möglichen Problemen wie Markenverwirrung bzw. Markenverwässerungen entgegen zu wirken.