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"Schlagbrücke 1780" von Johann Ziegler.

Foto: APA/Wien Museum
Wien - Einen interessanten Einblick in das Wien um 1800 bietet die Ausstellung in der Hermesvilla in Hietzing. Das Wien Museum zeigt dort bis zum 4. November unter dem Titel "Schöne Aussichten" berühmte Wien-Bilder des Verlags Artaria. Herzstück der Ausstellung sind 57 kolorierte Umrissradierungen, gezeichnet und gestochen von Carl Schütz, Johann Ziegler und Laurenz Janscha.

Dazu kommen Aquarelle, die als Vorlagen dienten, aber auch Beispiele anderer Künstler, die ein neues Bild der Großstadt um 1800 vermitteln. Die Grafiken von Schütz, Ziegler und Janscha erschienen in den Jahren 1779 bis 1798 unter dem Titel "Sammlung von Aussichten der Residenzstadt Wien von ihren Vorstädten und einigen umliegenden Oertern".

Wachstumsschub

Die Ansichten zeigen eine Stadt des ausgehenden 18. Jahrhunderts, die gerade einen gewaltigen Wachstumsschub hinter sich hatte: So war die Einwohnerzahl von 80.000 um das Jahr 1700 auf über 230.000 im Jahr 1790 gestiegen. Auch die Baufläche Wiens verzehnfachte sich von 1683 bis 1790.

Die Darstellungen wurden auf Kupferplatten geätzt und gestochen und nach Druck kunstvoll schattiert und koloriert. Gemäß der Aufklärung präsentieren sie auch das Bild einer neuen Zeit: So zeige sich das Verschwinden der Standesunterschiede daran, dass Bürger, Adelige und Dienstboten nebeneinander flanierend zu sehen seien, meinte Ausstellungskuratorin Reingard Witzmann bei einem Pressetermin am Mittwoch. Oft zu sehen sind auch Bücher lesende Männer, die von Bildungsidealen zeugen.

Zu besichtigen sind Bilder des neu geöffneten Praters, des Augartens - also von Erholungsgebieten, die die Lebensqualität in der Stadt verbesserten. Aber auch der Stephansdom, die Peterskirche oder soziale Einrichtungen wie das Allgemeine Krankenhaus sind dokumentiert.

Auslassungen

Bemerkenswert ist aber nicht nur Abgebildetes, sondern auch Ausgelassenes: Nicht zu finden auf den Bildern der Stadt, seiner Vororte und Vorstädte sind etwa Fabriken und Arbeitersiedlungen. "Die Arbeiter gibt es nicht im Blickwinkel der Künstler", erklärte Witzmann. Ebenfalls aus dem Stadtbild verdrängt sind beispielsweise Bettler und Invaliden. (APA)