Foto: Rif Film
Wien - Ein wichtiger Mann hat es eilig. Er setzt sich in den bestellten Wagen samt Mietchauffeurin. Er wundert sich nicht, als eine zweite Frau zusteigt, bemerkt nicht, dass sein Handy kurz darauf aus dem Fenster fliegt. Erst als das Auto vor einem entlegenen Häuschen mitten im Grünen stoppt, begreift er langsam, dass er soeben das Opfer einer denkbar unspektakulären Entführung geworden ist.

Hinter dieser stehen entsprechend ungewöhnliche Forderungen: Der Gekidnappte ist Manager der Telekom und als solcher mitverantwortlich für die sukzessive Demontage der alten gelben Telefonzellen. Seine Entführerinnen verlangen schriftlich, dass dies zurückgenommen wird. Dann wartet man, um einen Freund verstärkt, in Tante Luzies Haus auf Reaktionen. Der Fluchtwunsch des Entführten scheint nur mäßig ausgeprägt. Man richtet sich vielmehr gemütlich ein in einer Form gemeinschaftlicher Aus-Zeit, welche popkulturelle Fundstücke aus vergangenen Jahrzehnten markieren.

Charmante Verfehlung

Die Quereinsteigerinnen (2006) haben Rainer Knepperges und Christian Mrasek geschrieben und inszeniert. Knepperges steht als Entführungsopfer Harald auch vor der Kamera, neben dem "Popterroristen"-Trio, das Claudia Basrawi, Mario Mentrup und Nina Proll verkörpern - Letztere hat hier Gelegenheit, sich abseits eines Rollenklischees zu behaupten.

Der Film verhält sich überhaupt zu standardisierter Erzählökonomie, zu Genreregeln oder Wahrscheinlichkeitsgeboten wie eine charmant-absichtsvolle Verfehlung aus dem Geiste künstlerischer Befreitheit. Er lässt dabei wiederum an die im besten Sinne dilettantischen Filme von bzw. mit Helge Schneider denken. Auch der Gastauftritt des Münchner Filmemacherveteranen Klaus Lemke erweist einer bestimmten Haltung Reverenz:

Knepperges hat 2000 einen Band mit dem Titel Gdinetmao - Abweichungen vom deutschen Film herausgegeben, der mit Texten zu randständigen Werken und Personen der (west-)deutschen Filmgeschichte eine "Passage durch unbekanntes Terrain" unternimmt (Helge Schneider ist einer davon gewidmet). Könnte man sich heute noch auf Kategorien wie "Underground" berufen, dann wären Die Quereinsteigerinnen selbst dafür das schönste Lebenszeichen. (Isabella Reicher/ DER STANDARD, Printausgabe, 15.05.2007)