Überkleben und Kochen - derStandard.at begleitete jenen KSV-lili (Kommunistischer Studentenverband - Linke Liste), der derzeit das ÖH-Bundesmandat inne hat, an einem aktionistischen Wahlkampftag. Weil man gegen Stellvertreterpolitik ist, gibt es nicht einen, sondern gleich sechs "SpitzenkandidatInnen".

Dass zwei kommunistische Studentenfraktionen, nämlich "KSV – lili" und "KSV – Linke Liste (KSV) / KJÖ-StudentInnen" antreten, sorgt für Verwirrung.

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Formal tritt Natascha Wanek (zweite von links) bundesweit als Spitzenkandidatin des KSV – lili an. "Wir sind aber alle SpitzenkandidatInnen und sprechen uns klar gegen die StellvertreterInnenpolitik aus". Die "SpitzenkandidatInnen" sind: Sabine Topf, sie studiert Landschaftsplanung, Natascha Wanek (Pädagogik und Philosophie), Barbara Steiner (Politikwissenschaft), Daniel Schukovits (Politikwissenschaft), Adam Markus (Jus und Geschichte) und Florian Birngruber (Volkswirtschaftslehre).

"Wir haben einen gesellschaftspolitischen Anspruch. Man kann an der Uni nicht viel bewirken, wenn man die Gesellschaft rundherum nicht ändert. Den Kapitalismus und das Patriarchat wollen wir abschaffen", begründen die SpitzenkanditatInnen ihr Engagement für die kommunistische Fraktion. Das Verhältnis zur Bundes-KPÖ wird als "freundschaftlich-kritisch" beschrieben.

"Den Ring zurückerobern" wollen die kommunistischen StudentInnen - Mit der Umbenennung des "Dr. Karl Lueger Rings" in "Dr.in Elise Richter-Ring". Die Wissenschaftlerin jüdischer Herkunft stellt für sie die Antithese zum Antisemiten Dr. Karl Lueger dar.

"Straßen sind selten nach Frauen benannt, sie kommen im öffentlichen Raum einfach kaum vor. Wir und das ÖH-Frauenreferat setzen uns nicht aus Jux uns Tollerei für die Umbenennung ein. Es ist unglaublich, wie wenig sich dieses Land mit seiner Geschichte auseinandersetzt", kritisieren die kommunistischen StudentInnen.

Die Abschaffung der Studiengebühren und der Studienbeschränkungen sind zentrale Forderungen des KSV-lili. "Wir wollen die Frauenförderung beibehalten und ausbauen. Gegen Rechte, Männerbünde und Elitenreproduktion werden wir weiterhin Widerstand leisten", erklärt Natascha. Das Bildungssystem dürfe zudem nicht der Marktwirtschaft untergeordnet werden. Ausländische Studierende sollen das aktive und passive Wahlrecht bekommen. Dass sie die doppelten Studiengebühren zahlen müssen, zeige, wie Rassismus in den Institutionen und Gesetzen Österreichs verankert sei.

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"Ach, Kommunismus klappt doch nicht", sagt Christoph (im Bild links). "Kommunismus hat es noch nie wirklich gegeben", entgegen die KSV-ler. "Wir hatten das schon und wir haben gesehen, was dabei rausgekommen ist", meint der Berliner Jus-Student. Vom ÖH-Wahlkampf in Wien zeigt er sich jedenfalls begeistert. "Hier ist man wirklich engagiert. So einen richtigen Wahlkampf gibt es bei uns gar nicht", erzählt er.

Oliver, VWL-Student in Wien, wird auf alle Fälle wählen gehen. Dass die Umbenennung des Dr. Karl-Lueger Rings nicht schon längst geschehen ist, wundert ihn.

"Die Universität ist männerbündlerisch", heißt es in einem Folder der kommunistischen StudentInnen. Dass im Arkadenhof der Universität Wien keine einzige weibliche Wissenschafterin in Form einer Büste verewigt ist, sei ein weiteres Zeichen dafür. Um auch erfolgreiche Frauen sichtbar zu machen, schritten die WahlkämpferInnen zur Überklebeaktion.

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Silvia beteiligt sich spontan. "Immer nur Männer, Männer. Das ist doch langweilig", sagt sie. Von der Idee die Männerköpfe mit Frauenbildern zu überkleben, ist sie begeistert. "So können Frauen sichtbar gemacht werden," meint die Philosophie-Studentin.

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Weniger erfreut ist ein Akademikerpaar, das einige Bilder wieder entfernt. "Wir sind empört, Monumente einfach zu überkleben. Das ist ein Skandal! Und ihr wollts Akademiker sein? Hängt eure Zetteln draußen an den Bäumen auf."

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Die StudentInnen versuchen ihre Intention zu erklären und stoßen dabei auf taube Ohren. "Ich habe kein Genderproblem", sagt die Dame, eine Kunsthistorikerin. Den Frauen sei der Zugang zu den Universitäten bis zur Jahrhundertwende verwehrt geblieben, deshalb seien noch keine Wissenschafterinnen im Arkadenhof verewigt. "Studieren und Prüfungen machen anstatt zu protestieren", lautet ihr Ratschlag.

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"Ich finde das cool", meint Lea, Medizinstudentin, zur Überklebeaktion. Sie wird zur ÖH-Wahl gehen. Wem sie ihre Stimme geben wird hat sie aber noch nicht entschieden.

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Oft sind die kommunistischen Studenten mit dem Vorwurf konfrontiert, zu radikal zu sein. "Das Überkleben wird von einigen Rechten sicher auch als linksradikal abgetan werden. Wir zeigen Missstände knallhart auf. Das verstehen wir unter Radikalität. Es geht aber nicht darum, Gewalt anzuwenden", erklärt Adam.

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Um dem über die Aktion verärgerten Portier nicht zu begegnen, verlassen die kommunistischen StudentInnen die Hauptuni über einen Seiteneingang. Weiter geht es zum Alten AKH.

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Mit Gratis-Gulasch für die StudentInnen will man den Uni-Campus zurückerobern. "Hier darf man nichts mehr machen, außer in den Lokalen zu konsumieren. Im Frühjahr ist verstärkt Sicherheitspersonal aufgetreten, um unliebsame Frisbeespieler und Co. zu verscheuchen", erzählt Barbara.

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Verzichtet man bewusst auf Kulis, Zuckerl und Co.? "Das können wir uns nicht leisten. Wir brauchen auch niemanden zu bestechen. Die Leute sollen uns wegen des Programms wählen", sagt Natascha. Das Mandat zu halten und Stimmen dazuzugewinnen ist ihr Wahlziel. Mit linken Gruppen wie VSStÖ und GRAS wolle man weiterarbeiten. Eine Kooperation mit dem RFS und den Fachschaftslisten, der AG und JES schließe man aus.

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Am selben Tag besuchen wir noch die zweite kommunistische Studierendenfraktion – Linke Liste (KSV).

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Wie derStandard.at berichtete, kandidiert diese Fraktion an der Uni Wien unter dem Namen "KJÖ-StudentInnen". "Wir sind der Original-KSV", erzählt Saskia Schindler, Bundesvorstand des Vereins "Kommunistischer StudentInnenverband (KSV)". Insgesamt kandidiere man an elf Universitäten. "Ein bundesweites Mandat sollte klappen", sagt Saskia. Im Gegensatz zum KSV lili wird der KSV – Linke Liste (KSV) von der Bundes-KPÖ nicht unterstützt. "Wir arbeiten auf einer marxistischen Grundlage", sagt sie. Mit welcher Forderung sie sich von der anderen kommunistischen Fraktion am stärksten unterscheiden? "Wir setzen uns nach wie vor für den Studiengebührenboykott ein".

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Ein Mandat in der Bundesvertretung und mehr Stimmen als der Ring Freiheitlicher Studenten ist das Wahlziel des "Original-KSV". Sein Spitzenkandidat Hanno Wisiak, 25, studiert Geschichte an der Universität Graz. Nach der Wahl kann man sich mit allen Fraktionen, außer mit dem RFS, eine Zusammenarbeit vorstellen. (Katrin Burgstaller/derStandard.at, 16. Mai 2007)

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