Wien - Die Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eva Scholik, wendet sich gegen eine "Gesamtschul-Erpressung". Damit meint sie die verschiedenen zusätzlichen Ressourcen, die im Zusammenhang mit der Gesamtschule immer wieder genannt werden. "Die Gesamtschule wird immer unter anderen Voraussetzungen beschrieben als das derzeitige Schulsystem, man spricht immer von einem Top-ausgestatteten Gesamtschulsystem und vergleicht es mit dem durchschnittlich ausgestatteten derzeitigen System", so Scholik gegenüber der APA.

Personalressourcen nötig

Konzepte für den Ausbau der individuellen Förderung würden weder Erprobung noch Evaluierung benötigen, sondern entsprechende Personalressourcen. "Dass eine Steigerung der Unterrichtsqualität in kleineren Lerngruppen möglich ist, ist Bildungsforschern ebenso klar wie uns Lehrern", so Scholik. Für sie ist es eine "perfide Strategie, die in der Bevölkerung höchst unbeliebte bittere Pille Gesamtschule mit vagen Versprechungen verkaufen zu wollen".

"Vage" Vorschläge der Grünen

ÖVP-Bildungssprecher Fritz Neugebauer kritisierte, dass die Grünen kein konkretes Konzept auf den Tisch gelegt hätten und auch ihre Finanzierungsvorschläge "sehr vage" seien. Zum Grünen Vorbild Finnland meinte Neugebauer, dass man kann kein Schulsystem eines anderen Landes einfach übernehmen könne. Jedes Land habe andere Voraussetzungen und Bedingungen, die sich in den Schulmodellen widerspiegeln würden. Die von den Grünen eingeforderte Chancengleichheit unabhängig von der Herkunft könne nur durch Differenzierung nach Leistung geschaffen werden, so Neugebauer, für den die Gesamtschule "kein Allheilmittel" ist.

Spürbare Reform

SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser meinte, dass "erste Schulreformen ab Herbst spürbar sein werden". Bei der Gemeinsamen Schule dürfe es nicht einfach zum Austauschen von Türschildern kommen, es gehe besonders auch um eine bessere Qualität des Unterrichts. In den geplanten Modellregionen sollen neue pädagogische Konzepte dafür erprobt werden. "Bei der Landeshauptleute-Konferenz am 19. Juni wird es mehr Klarheit geben darüber, wie und wo die Modellregionen arbeiten werden."

"Unverantwortlich"

FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz Christian Strache bekräftigte das Nein seiner Partei zur Gesamtschule, er hält sogar die "Diskussion darüber als unverantwortlich". Durch die Gesamtschule würden die sozialen Unterschiede nicht beseitigt, sondern sogar verschärft, weil finanziell besser gestellte Eltern ihre Kinder dann vermehrt auf Privatschulen schicken würden. (APA)