Wien – Wer die Augen am Kiosk schweifen lässt, könnte zum Schluss kommen, Frauen regieren die Welt. Auf TV-Illus oder Lifestyle-Magazinen werden sie gerne in Stellung gebracht. Das "Femtech"-Netzwerktreffen widmete sich Montag der Lücke zwischen einem Bevölkerungsanteil von 51 Prozent und der weit geringeren Medienpräsenz von Frauen als Nachrichtensubjekt oder –macherin. Motto von Staatssekretärin Christa Kranzl: Am besten setzen sich Frauen für ihre eigenen Anliegen ein.

Österreich hinkt international hinterher

Die Frauenpräsenz in Medien wird seit Jahren auf allen Kontinenten erhoben, berichtete Silvia Ettl-Huber, Leiterin des Internationalen Journalismus Zentrums der Donau-Uni Krems. Österreich fand sich 2005 erstmals unter den 76 erhobenen Ländern und schnitt unterdurchschnittlich ab: Handeln international 21 Prozent der Medienberichte von Frauen, sind es hier 18 Prozent; in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft noch weniger. Auf Bildern im Kontext Soziales, Familie und Lifestyle erreicht der Frauenanteil bis zu 30 Prozent, die "Nackerte" in der "Kronen Zeitung" eingeschlossen. Stereotype der Hausfrau, Mutter oder Gefühlsbetonten dominieren.

Eva Flicker, Mediensoziologin der Uni Wien, untersuchte das Berufsbild der Wissenschaftlerin in Filmen. Die Frau mit Intuition tritt auf, wenn es um eine ambivalente Zukunft geht. Für die Menge an wissenschaftlicher Qualifikation sind die Protagonistinnen stets sehr jung, auch im Bikini unterwegs und haben keine Familie.

Aus eigener Erfahrung kennt Renée Schröder, ausgezeichnete Biochemikerin und Wissenschaftlerin des Jahres, das Überraschungsmoment des "weiblichen Professors". Mediale Bekanntheit verhalf ihr zu einer stärkeren Wahrnehmung dessen, was sie immer schon zu sagen hatte. Zahllose Anfragen für Jurys sind eine weitere Folge.

"In der Frauenecke" nicht ganz wohl fühlte sich Alexandra Föderl-Schmid, STANDARD-Ressortleiterin Wirtschaft und designierte Chefredakteurin. Dass sie eine Frau ist, habe bei ihrer Bestellung keine Rolle gespielt.

Nur 23 Prozent Männer

"Wir machen uns in der Zeitung viele Gedanken, aber Entscheidungen in der Wirtschaft werden von Männern getroffen und Medien bilden diese Realität ab", so die Journalistin, deren Ressort einen Männeranteil von "nur" 23 Prozent aufweist. Wo es sich planen lässt, werden Frauen besonders berücksichtigt.

Christian Müller, Wissenschaftschef der APA, hätte gerne mehr Interviewpartnerinnen, kennt aber kaum welche. Die beinharte Selektion im Agenturalltag, geprägt von Informationsflut und medialer Kurzatmigkeit, bestehen "gute Geschichten" immer. Wer Statements nicht prägnant formuliert, verliert. Auch Forscherinnen müssen also offensiver auftreten. Lauter sein allein wird wohl weiterhin weniger nützen als stetig mehr Frauen in Spitzenpositionen. Denn die kennt man dann. (Astrid Kuffner/DER STANDARD; Printausgabe, 16.5.2007)