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Foto: APA/epa/Dpa/ Frank May
Wien - All jene Fotos, die der britische Anzugfreund von sich machen lässt, schildern eine Noblesse, die vom Minimalismus lebt und sich die Mühen des Alltags durch nostalgische Distinktion vom Leib hält. Hier erledigt ein mittlerweile 61-Jähriger, dem Ästhetischen zugewandt, alles mit dem kleinen Finger.

Um zwischen diesem schweißfreien Gehabe und der Live-Arbeit eine Brücke zu schlagen, sollte man aber wissen, dass Bryan Ferry den zu früh verglühten Bebop-Ekstatiker Charlie Parker sehr verehrte. Bedenkt man dies, ist zu verstehen, dass der Mann mit der schlanken, schwarzen Krawatte nicht in Widerspruch zu sich selbst gerät, wenn er die Soli seiner Musiker in der Stadthalle zum Anlass nimmt, stampfig-wiegend aus seiner Gelassenheit herauszutreten, ganzkörperlich vom lustvollen Durchleiden der Beats zu erzählen und auszusehen, als hätte er gerade eine Stunde lang herzhaft Holz gehackt.

Natürlich bleibt alles im Rahmen, bei diesem Programm aus Dylan-Songs, Ferry-Stücken und anderen Coverversionen. Natürlich ist er zumeist am Mikrofon mit sparsamer Gestik tätig. Bevor es zu ekstatisch wird, verlässt er zum Hemdwechsel die Bühne, übergibt an Klavier und Saxofon. Seine Art des Singens, mit den gepressten Stakkatotönen und der nasal angehauchten Gequältheit, sie ist nach wie vor markant und abendfüllend. Strahlt eine Raffinesse aus, die man gerne von mitunter störenden Banalarrangements befreit gesehen hätte.

So köchelte das Konzert charmant vor sich hin. Und hätte es eines Beweises bedurft, dass der Mann am Mikro alles gegeben hatte, so erbrachte er ihn bei den Zugaben mit nicht mehr wirklich stilvollem Gesang. Gehen wollte dennoch keiner. (tos / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.5.2007)