Bonn/Düsseldorf/Berlin - Ohne Signale für eine Annäherung ist der Tarifstreit bei der Deutschen Telekom in die zweite Woche gegangen. Am Freitag legten nach Angaben der Gewerkschaft ver.di erneut 7.000 Telekom-Beschäftigte die Arbeit nieder. Die Auswirkungen des Streiks werden unterdessen für die Kunden des Telekommunikationskonzerns immer stärker spürbar.

Ein Telekom-Sprecher erklärte am Freitag, bei der Bereitstellung von neuen Telefon- oder DSL-Anschlüssen komme es trotz aller Gegenmaßnahmen zu Verzögerungen. Auch bei den Call-Centern gebe es immer wieder Wartezeiten. ver.di-Sprecher Ado Wilhelm sagte, in weiten Teilen könne sich die Telekom angesichts des aufgelaufenen Auftragsrückstands nur noch darauf beschränken, Postkarten in die Briefkästen zu werfen, in denen sie sich für die Verzögerungen entschuldige.

Anzeichen für eine Annäherung der Tarifparteien gab es auch am Freitag nicht. Zwar betonte ein Telekom-Sprecher, dass der Konzern jederzeit bereit sei, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Grundlage müsse aber das vorliegende Verhandlungsangebot der Telekom sein. ver.di-Sprecher Harald Reutter forderte jedoch vor der Rückkehr an den Verhandlungstisch ein Signal der Telekom, dass es sich auch lohne, die Gespräche wieder aufzunehmen. Bisher gebe es dafür kein Anzeichen.

In dem Streit geht es um Pläne des Vorstands, 50.000 T-Com-Jobs in Service-Gesellschaften auszulagern. Dort sollen die Mitarbeiter neun Prozent weniger verdienen und zugleich 38 statt 34 Stunden pro Woche arbeiten. Die Auslagerung in die neue Gesellschaft T-Service soll Einsparungen bis zu 900 Mio. Euro jährlich bringen. Im Gegenzug bietet die Telekom eine Verlängerung des Kündigungsschutzes bis Ende 2011.

Gebremst ins Wochenende

Am Wochenende will ver.di zunächst den Streik nur mit geringer Intensität weiterführen. Doch bereits Montag kommender Woche werde dann die Zahl der Streikenden wieder fünfstellig sein, sagte Reutter.

ver.di kritisiert, die Auslagerung werde nicht helfen die Serviceprobleme zu lösen und den Kundenschwund zu stoppen. Die Gewerkschaft kann die zum 1. Juli geplante Ausgliederung nicht stoppen, will mit dem Arbeitskampf aber zumindest bessere Beschäftigungsbedingungen erzielen und erwartet ein neues Angebot der Telekom.

Nach Ansicht von Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) gefährdet der Streik die Existenz des Unternehmens: "Ein wochenlanger Streik würde die Telekom in Lebensgefahr bringen", sagte Oettinger im ZDF und fügte hinzu: "Es muss schnell gehen. Wenn die Telekom noch wochenlang Schlagzeilen macht, werden die Verbraucher zu anderen Anbietern gehen." Der Regierungschef warnte zugleich vor einer feindlichen Übernahme. Der Aktienkurs der Telekom sei trotz Dividende "miserabel". "Mit zehn oder elf Euro ist die Telekom tendenziell ein Übernahmefall." Oettinger forderte Konzernspitze und Gewerkschaft auf, "nicht große Schlachten öffentlich zu führen, sondern sich rasch zu treffen".

ver.di-Vorstandsvorsitzender Frank Bsirske zeigte sich in der Sendung kompromissbereit: "Ich bin ganz sicher, dass am Ende der Verhandlungstisch zurückgewonnen werden muss." Der Gewerkschaftschef betonte, "dass am Ende beide Seiten überlegen müssen, wie sie aufeinander zugehen können". (APA/AP/dpa/AFP)