Häuser kann man abbrechen und neu bauen - oder man saniert sie.

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In der planenden und ausführenden Baubranche ist Sanieren weltweit Thema Nummer eins. Das gelungene Zusammenspiel von Alt und Neu, die sensible Renovierung alter Bausubstanz sowie die Wiederherstellung historischer Gebäude sind Bereiche, die vor allem in den vergangenen Jahren von Europa bis Asien an Bedeutung gewonnen haben. Das Themenspektrum ist dabei vielfältig - und längst nicht von gestern. Immer wieder wird einem im Umgang mit Altlasten der Einsatz neuer Baustoffe und innovativer Technologien abverlangt. Außerdem wird emsig an neuartigen Stadtentwicklungsprogrammen getüftelt, die auf der einen Seite stadtplanerisch und städtebaulich vertretbar sind und auf der anderen Seite mehr Investoren anlocken sollen. Beinahe ein gordischer Knoten.

Konzepte werden erstellt, verworfen, neu überdacht. Eines wird dabei jedoch häufig übersehen: Welche Nutzung kann die Stadt dem Investor garantieren? Kein vernünftiger und finanzierungswilliger Mensch wird eine Ruine erwerben, wenn er nicht zeitgleich die Baupotenziale auf dem Grundstück klipp und klar präsentiert - und garantiert - bekommt.

Rentabilität und Identität

Die eigene berufliche Erfahrung motivierte schließlich Wolfgang Poppe und Wolfgang Vasko, beide vom Ingenieurbüro Vasko+Partner, sowie Michael Balak vom Institut für Bauschadensforschung (IBF) zur Planung eines internationalen Sanierungskongresses unter dem Titel "Instandhaltung, Reparatur und Sanierung von Altbauten" - so geschehen in Partnerschaft mit der Österreichischen Bauinnung. Ziel des Kongresses ist ein allmähliches Zusammenwachsen von Denkmalschutz, Nachhaltigkeit und dem kalkulatorischen Bewusstsein der Immobilienwirtschaft. Mit Planern, Maklern sowie mit der Bauindustrie wolle man sämtliche vertretbaren Investitionsmöglichkeiten und Amortisationsmodelle aufzeigen. "Unter vertretbar verstehen wir sowohl die Rentabilität der Investition als auch die Bewahrung der Identität und Eigenart dieser Objekte", erklärt Michael Balak. "Die dabei aufgezeigten Lösungsansätze sollen dabei helfen, die Grenzwerte zwischen Erhaltung einerseits, und Abbruch und darauf folgendem Neubau andererseits, neu zu definieren."

"Der Denkmalschutz hängt in vielen Fällen von der Befindlichkeit einer einzigen Person ab", beklagt sich Wolfgang Poppe, es sei jedoch nicht vertretbar, mit solch gravierenden Entscheidungen über Neubau oder Sanierung dermaßen unachtsam umzugehen. "Ich kann einem Investor unmöglich sagen: Vielleicht bekommen Sie ein Hochhaus bewilligt, vielleicht aber auch nur ein zweistöckiges Gebäude." Die Bau- und Immobilienwirtschaft benötige klare Grundsätze.

"Da die Qualität denkmalgeschützter Objekte und Ensembles zu einem großen Teil auch vom Erhaltungszustand der umgebenden Sekundärarchitektur innerhalb der so genannten Pufferzonen abhängt, ist unser Kongress selbstverständlich auch für Denkmalpfleger von Interesse", erklärt Vasko, "wir wollen mit ihnen diskutieren und einen gemeinsamen Weg finden."

Bauchancen im Osten

In puncto Sanierung besitzt Österreich ein großes Know-how. Ein wichtiger Markt für Österreichs Bauschaffende sind die CEE-Länder, denn das Bau- und Sanierungspotential im östlichen Europa ist nach wie vor enorm. Viele österreichische Unternehmen haben dieses Gebiet längst als Markt erkannt und haben dahingehend Schwerpunkte entwickelt. Jedoch fällt es Klein- und Mittelunternehmen nicht leicht, ein zweites Standbein im Osten zu finden. Kooperationen müssen geschlossen werden, oft nur für ein einziges Projekt.

Die Liebe zum Alten kann bisweilen aber auch kontraproduktiv sein. Das bewies kürzlich ein Bauvorhaben in Prag. "Bei einem Projekt verzögerten sich die Bauarbeiten, nur weil eine Handvoll Studenten mit einem Pinselchen jedes Erdkrümelchen analysierte", sagt Wolfgang Poppe. "Einmal brüteten die angehenden Archäologen stundenlang über einem Loch. Es stellte sich heraus, dass es sich dabei um eine geologische Probebohrung gehandelt hat, die wir einige Wochen zuvor vorgenommen hatten." (Gisela Gary, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.5.2007)