Ein Leben mit Joyce, Arno Schmidt – und Karl May: Hans Wollschläger.

Foto: Sepp Dreissinger
Bamberg – Orgeln zum Klingen zu bringen, hatte der kirchenkritische Pastorensohn aus Minden in Westfalen eigentlich studiert. Immer wieder setzte er sich an das mächtige Instrument. Weniger aus Profession denn aus Passion. Wenn das bei ihm ohnehin nicht zu unterscheiden war.

Mit einer Unbedingtheit nämlich, die nur den wenigsten zur Verfügung steht, folgte Hans Wollschläger den Objekten seiner Leidenschaft – und lieh ihnen sein musikalisches Ohr. Eine Aufmerksamkeit, die vor allem James Joyce zugute kam: Wollschlägers in fünfjähriger Arbeit entstandene Übersetzung des Ulysses erschuf die sprachspielerische Lautwelt des monumentalen Romanwerks der Literatur für deutsche Ohren neu.

Bis heute gilt Wollschläger einer größeren Öffentlichkeit daher vor allem als Übersetzer dieses Buches. Neben Walter Benjamins Übertragung der Recherche von Marcel Proust ist sein Ulysses die vielleicht größte Leistung einer Übersetzung in die deutsche Sprache des vergangenen Jahrhunderts. Dass Hans Wollschläger, der gelernte Psychoanalytiker, der neben seiner literarischen Tätigkeit jahrelang Menschen in Gruppen- und Einzelbetreuung seine Zeit widmete, weit mehr war als ein Übersetzer, wissen aber alle, die seine Schriften schätzen.

Lebenslang fasziniert von Karl May, war er Mitherausgeber der historisch-kritischen Karl-May-Ausgabe und Autor der rororo-Monografie über ihn. Arno Schmidt und Theodor W. Adorno, die er kannte und verehrte, begleitete er mit Essays und – zuletzt – Erinnerungen: Moment musicaux. Tage mit TWA (2005). Sein experimenteller Roman Herzgewächse oder Der Fall Adams , dessen ersten Teil er 1982 veröffentlichte, blieb unvollendet. Am Samstag starb Hans Wollschläger in Bamberg. (Cornelia Niedermeier/ DER STANDARD, Printausgabe, 22.05.2007)