Hans Kanitschar, Jahrgang 1954, ist Gesundheitspsychologe, Klinischer Psychologe und Psychotherapeut für Hypnosepsychotherapie und Katathym Imaginative Psychotherapie.

Er ist Lehrtherapeut für beide Psychotherapierichtungen bei der Österreichischen Gesellschaft für Angewandte Tiefenpsychologie und Allgemeine Psychotherapie und arbeitet in eigener Praxis in Wien.

Foto: Kanitschar
derStandard.at: Viele schreckt das Bild des willenlos Weggetretenen ab. Was steckt tatsächlich hinter der Hypnose?

Kanitschar: Man muss vor allem einmal Fehlerwartungen korrigieren. Diese falschen Meinungen stammen zumeist aus Shows und Bühnenhypnosen, denen wir sehr kritisch gegenüberstehen. Da werden Menschen zumeist willenlos dargestellt und zur Belustigung missbraucht. Davon grenzen wir uns ab. Für uns ist Hypnose eine Heilmethode, die zum Wohl des Menschen eingesetzt wird.

derStandard.at: Wie wird eine Hypnosesitzung dann erlebt?

Kanitschar: Man bleibt als KlientIn bewusst und hat die Kontrolle wie schnell und wie weit man sich auf einen Tranceszustand einlässt. Das heißt es gibt keinen Kontrollverlust. Der Zustand wird bewusst auf innere Vorgänge konzentriert.

derStandard.at:Ist der Zustand der Hypnose erforscht?

Kanitschar: Die neuesten Forschungen haben gezeigt, dass der Zustand der Hypnose sich sowohl vom Wachzustand als auch vom Schlaf unterscheidet. Das lässt sich anhand eines EEG nachweisen.

Bei der Hypnose finden sich im Unterschied zum Wach- und Schlafzustand eine sehr deaktivierte Hirnrinde mit Theta- und Delta-Wellen und eine hohe Aktivierung im Frontalbereich, im Stirnbereich und zum Teil in den Schläfenlappen. Diese Bereiche sind für die Steuerung und Kontrolle zuständig und im Schlaf nicht aktiv. Man kann sagen die Hypnose ist eine Art paradoxer Wachtraum. Es wird ein inneres konzentriertes Erleben in einer entspannten Wachheit möglich.

derStandard.at: Wie erfolgreich ist die Hypnosetherapie bei der Raucherentwöhnung?

Kanitschar: Man muss allgemein gesprochen sagen: Man kann niemandem einen Erfolg versprechen. Jeder reagiert anders und ist individuell verschieden. Und es gibt keine Garantien.

Ich behandle nur Menschen die wirklich bereit und motiviert sind. Das ist die Grundvoraussetzung. Wenn die eigene Willenskraft, die eigene Bereitschaft nicht da ist, kann auch die Hypnose nicht helfen. Deshalb kläre ich zuerst die Bereitschaft und die Motivation ab.

derStandard.at: Wie kann man sich, wenn die Motivation stimmt, die Behandlungen vorstellen?

Kanitschar: Der Ablauf einer Hypnose ist nicht für alle gleich, aber es sind bestimmte Phasen enthalten. In der Phase einer Trance, in der man sich sehr ruhig, gedankenfrei und wohlfühlt, ermöglichen Suggestionen eine positive Beziehung zum Körper und zu den Organen aufzubauen, insbesondere zur Lunge.

derStandard.at: Wie kann man den Zustand der Trance erreichen?

Kanitschar: Man sitzt sich in zwei Meter Abstand gegenüber. Der Klient schaut auf einen Punkt, entspannt sich und hört mir zu.

Im Zustand der Trance kann er den Körper anders fühlen und anders erleben. Die Empfindungen des Rauchens werden zurückgedrängt und durch neue positive Empfindungen des Nichtrauchens belegt. Durch posthypnotische Suggestionen können zusätzlich Entzugserscheinungen zurückgedrängt werden. Das können Gier, Unruhezustände, Nervosität oder Schwitzen sein. Diese Erscheinungen sollen hintangehalten werden und das funktioniert recht gut.

derStandard.at: Das ist die Phase der Suggestion. Was folgt danach?

Kanitschar: Nach der Suggestion geht es um den Aufbau eines positiven Selbstbildes als Nichtraucher oder Nichtraucherin. Also zukunftsbezogen ein positives Lebensgefühl zu entwickeln. Dazu ist die Hypnose besonders gut geeignet, da man sich selbst in der Hypnose fast real erleben kann. Es entstehen Erfahrungen und Veränderungen, die den Schritt endgültig das Rauchen aufzugeben sehr erleichtern.

derStandard.at: Hört man nach diesen Sitzungen sofort auf?

Kanitschar: Da gibt es grundsätzlich zwei Typen: Für die einen ist es geeigneter sofort aufzuhören. Für die anderen ist eine schrittweise Reduktion deutlich besser.

derStandard.at: Wieviel Prozent schaffen die Raucherentwöhnung bei Ihnen?

Kanitschar: Von den gut Motivierten schaffen es innerhalb von fünf Sitzungen 50 Prozent. Die nächsten 25 Prozent haben zumindest stark reduziert und bei den restlichen 25 Prozent hat sich wenig getan.

derStandard.at: Warum sprechen manche gar nicht an?

Kanitschar: Das kann mit dem Selbstbild zu tun haben: Wenn zum Beispiel das Rauchen an eine geliebte Person erinnert. Dann ist es eine Verbindung, die man nicht so einfach lösen kann. Das muss man schrittweise angehen und ins Positive führen. Und manchmal muss man daran auch psychotherapeutisch arbeiten.

Anders ist das bei einer kurzen Raucherbehandlung, rein mit Hypnose als Technik. Da mache ich maximal fünf Sitzungen.

derStandard.at Es gibt auch CDs am Markt. Können Sie Hypnose-CDs zur Raucherentwöhnung empfehlen?

Kanitschar: Wenn es mit einer CD klappt ist es gut. Eine CD ist natürlich standardisiert und geht nicht auf Individuelles ein. Braucht man individuelle Zugänge schafft man es mit der CD wahrscheinlich nicht. Da empfiehlt sich der Weg zum Therapeuten.

derStandard.at Wie kann ich die Qualifikationen eines Therapeuten erkennen?

Kanitschar: Es gibt Listen im Internet. Diese geben Auskunft über die fachliche Ausbildung.

derStandard.at Mit welchen Kosten muss man rechnen?

Kanitschar: Die Psychotherapeuten unter Ausbildung in Supervision, das sind Therapeuten im Praktikantenstatus, verlangen von 40 bis 50 Euro aufwärts. Bei den fertigen Therapeuten muss man pro Sitzung von 70 bis zu über 100 Euro rechnen.

Eine Teilrefundierung über die Krankenkasse ist möglich. Das ist ein Fixbetrag von 21 Euro. Mit etwas Glück bekommt man einen Psychotherapeuten mit Kassenvertrag. Dann genügt der Krankenschein. Die Plätze sind aber erfahrungsgemäß rar.

derStandard.at: Abgesehen von der Raucherentwöhnung: Bei welchen Indikationen ist die Hypnosetherapie erfolgreich?

Kanitschar: Zum Beispiel bei Psychosomatischen Beschwerden wie Schmerzpatienten. Da ist die Hypnose besonders gut indiziert, weil sie Körpervorgänge gut beeinflussen kann. Das ist ein weites Feld. Auch in Kombination mit medikamentösen Therapien.

Wir kennen das ja von Zahnärzten, die mit Hypnose arbeiten. Diese können auf Anästhetika zum großen Teil verzichten. Aber auch Angstzustände und Panikattacken, neurotische Erscheinungen wie Zwangsneurosen, Depressionen und Persönlichkeitsstörungen sind gut behandelbar. (Andrea Niemann)