Mailand - Italiens größte und Europas zweitgrößte Bank, UniCredit-Capitalia, will weiter wachsen. Bankchef Alessandro Profumo bestätigte am Montag bei einer Analysten- und Pressekonferenz, dass die Wachstumsambitionen mit der am Wochenende abgesegneten Mega-Fusion zwischen UniCredit und der römischen Banca Capitalia keineswegs beendet wären.

UniCredit plane vor allem in Osteuropa zu expandieren. "Falls sich eine günstige Gelegenheit bietet, werden wir zugreifen", so Profumo. Und auch der Expansionsplan in Frankreich, die angepeilte Fusion mit Société Générale, sei nicht ad acta gelegt. "UniCredit bleibt eine europäische Bank, 53 Prozent unseres Geschäftes werden außerhalb Italien umgesetzt." Auf die HVB und die Bank Austria werde sich die Fusion kaum auswirken, beruhigte er deutsche Analysten bei der Konferenz. "Wir hätten auch in Deutschland oder Österreich dazugekauft, wenn wir dort eine Gelegenheit wie Capitalia gehabt hätten."

Die Bank-Austria-Mutter hat aber nicht nur ehrgeizige Wachstumspläne. Auch der konsolidierte Nettogewinn soll bereits früher die zehn Mrd. Euro Grenze erreichen als ursprünglich geplant (2010) war. Obwohl der Deal, die Übernahme der Banca Capitalia, UniCredit 22 Mrd. Euro kostet, sieht Profumo in naher Zukunft kräftiges Gewinnpotential. Von 2007 bis 2009 soll der Gewinn pro Aktie um 17 Prozent steigen.

Die Fusion wird von Finanzanlaysten positiv bewertet. UniCredit habe mit Banca Capitalia die letzte Chance wahrgenommen, am italienischen Markt eine Großbank zu erwerben. "Wir konnten uns Capitalia nicht entwischen lassen" so der Bankchef. Mailänder Finanzkreise halten es jedoch für nicht ausgeschlossen, dass das UniCredit Angebot für Capitalia noch überboten werde.

Der neue Vizepräsident Cesare Geronzi (er war Capitalia-Präsident) hat bei der Konferenz vor Presse und Analysten sehr wenig gesagt: Nicht nur weil er sich auf politischer Ebene besser auskennt als auf dem banktechnischen Parkett, er hat auch offensichtlich Schwierigkeiten mit der englischen Sprache. Er betonte lediglich, dass ein Teil der Beteiligung bei der Investmentbank Mediobanca und Generali verkauft werden soll. (Thesy Kness-Bastaroli, Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.05.2007)