Washington - Ginge es nach den Buchmachern, kommt der nächste Präsident der Weltbank aus Afghanistan. Bei den Wettbüros ist Ashraf Ghani, ein Ökonomieprofessor mit globalen Kontakten, der klare Favorit, wenn es gilt, Paul Wolfowitz zu beerben, den wegen einer Gehaltsaffäre ausscheidenden Chef des Finanzinstituts.

Nicht nur Wettketten wie Ladbrokes sehen Ghani vorn. Auch in der Gemeinde der Entwicklungshelfer, als deren Hirn sich die Bank versteht, hat der 58-Jährige gute Karten. Der Prototyp des Weltbürgers: Geboren in Kabul, ging er in den Westen, machte bei der Weltbank in Washington Karriere, bevor er in seine Heimat zurückkehrte, um beim Wiederaufbau zu helfen.

Nach dem Sturz der Taliban wurde Ghani Finanzminister, organisierte Reformen, kanalisierte den Strom internationaler Hilfsgelder. 2005 wechselte er an die Universität Kabul, um Rektor zu werden. Neben der afghanischen besitzt er die US-Staatsbürgerschaft, womit er zum engeren Kreis der Bewerber zählt, die US-Präsident George W. Bush sondiert.

Nach einer ungeschriebenen Regel kommt nur ein Amerikaner für die Spitze der Weltbank infrage, während ein Europäer den Internationalen Währungsfonds leitet. Daran gibt es Kritik. „Die Zeit ist reif, nach dem besten Bewerber Ausschau zu halten, wo immer er herkommen mag“, kontert Alison Cave, die Vorsitzende der Mitarbeiter-Vereinigung der Weltbank. Die New York Times pflichtete ihr bei.

Außer Ghani sind es zwei Namen, die immer wieder die Runde machen: Robert Kimmitt und Robert Zoellick, beides erfahrene Politiker, denen man zutraut, diplomatischer zu agieren als Wolfowitz. Kimmitt war Botschafter in Deutschland, nach einem Zwischenspiel beim Medienkonzern Time Warner ist er stellvertretender Finanzminister. Zoellick wiederum war Vize-Außenminister und vertrat die USA bei den Verhandlungen der Welthandelsorganisation WTO, heute sitzt er in der Chefetage der Investmentbank Goldman Sachs. Immer wieder fällt auch der Name von Bill Frist, einem Republikaner, der für den Bundesstaat Tennessee im Senat sitzt. (Frank Herrmann, Washington, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.05.2007)