Die Spielbanken Niedersachsen (SNG) wehren sich gegen das Verbot von Online-Casino durch das Land und wollen notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht (BVG) ziehen. "Der ablehnende Bescheid hat uns nicht nur überrascht, sondern wir fühlen uns durch die Landesregierung regelrecht getäuscht", sagte SNG-Geschäftsführer Rainer Chrubassik am Dienstag in Hannover.

Klage

Online-Casino sei in engem Schulterschluss mit dem Finanzministerium geplant worden. Niedersachsen hatte im Februar die Zulassung für Black Jack, Poker, Roulette und andere Glücksspiele im Internet verweigert und auf das BVG-Urteil vom März 2006 verwiesen, das solche Vorhaben bis 2008 verboten hat. Gegen die Entscheidung des Landes hat die SNG im März Klage eingereicht.

Sollte das Verbot bleiben, könnten auf das Land Forderungen von bis zu 30 Mio. Euro zukommen, sagte Chrubassik. Allein an den heutigen Besitzer der zehn niedersächsischen Spielbanken, Casinos Austria, müsse das Land dann mehr als sieben Millionen Euro zurückzahlen. Außerdem seien Investitionen der SNG von sechs bis sieben Millionen Euro und erhebliche Einnahmeausfälle zu berücksichtigen.

2005 betrug der Bruttospielertrag bei Online-Casino aus Deutschland heraus 250 Mio. Euro

Die Spielbanken, die 2006 einen Bruttospielertrag, also Einsätze abzüglich Gewinnausschüttung, von 102 Millionen Euro erzielt haben, versprechen sich vom Glücksspiel im Internet zusätzliche Einnahmen. Weltweit liegen der SNG zufolge die Wachstumsraten im Online-Casino bei 15 bis 17 Prozent pro Jahr. 2005 betrug der Bruttospielertrag bei Online-Casino aus Deutschland heraus 250 Mio. Euro.

In Deutschland sei Online-Casino derzeit aber nur in Hessen erlaubt, sagte Chrubassik. "Wenn wir kein Glücksspiel im Internet anbieten, treiben wir die Kunden in die Hände von Anbietern in Antigua oder Costa Rica, bei denen es wenige bis gar keine Sicherheitsbestimmungen gibt." In Niedersachsen dagegen sei zum Beispiel geplant, den Einsatz auf 500 Euro pro Woche zu beschränken, um eine Überschuldung der Spieler zu vermeiden.(APA/Reuters)