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Die Eiche ist für viele Wissenschafter ein Symbol der Nachhaltigkeit - aufgrund ihrer besonders langen Lebensdauer.

Foto: APA/AP/Chris O'Meara

Jeder redet von Nachhaltigkeit. Doch was genau bedeutet dieses Schlagwort? Und wie kann man messen, ob das Ziel "Nachhaltigkeit" erreicht wurde?

"Nachhaltige Entwicklung bedeutet, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Möglichkeiten der zukünftigen Generation zu beeinträchtigen, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können." So definierte die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung unter Leitung der früheren norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland vor zwanzig Jahren den heute so populären Begriff . Soziale Gerechtigkeit, ökologische Verträglichkeit und ökonomische Leistungsfähigkeit wurden als gleichrangige Ziele festgelegt. Die so genannte Brundtland-Erklärung bildet bis heute eine wichtige Grundlage im Diskurs um eine nachhaltige Entwicklung.

Wie aber kann gemessen werden, ob alle drei Ziele auch adäquat berücksichtigt werden? "Hier werden Evaluierungen immer wichtiger", sagt Robert-André Martinuzzi vom Research Institute for Managing Sustainability (Forschungsinstitut für Nachhaltige Entwicklung) an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er initiierte 2001 gemeinsam mit Ursula Knapp das EU-Projekt Easy Eco (Evaluation of Sustainability: European Conferences and Training Courses), ein Qualifizierungsprogramm im Bereich der "Nachhaltigen Evaluation".

Inzwischen arbeiten Institute aus Deutschland, Großbritannien, Schweden, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Rumänien, Estland, Tschechien und der Slowakei unter der Leitung des Wiener Teams zusammen.

In bisher fünf internationalen Easy-Eco-Konferenzen tauschten sich Experten der Evaluationsforschung und -praxis über Methoden, Anwendungsfelder und Qualitätskriterien von Evaluierungen aus. Neben der europaweiten Vernetzung ist dabei die Ausbildung von Jungforschern im Bereich nachhaltiger Evaluierung ein wichtiger Schwerpunkt des Projekts.

Praxis-Trainings

In den Easy-Eco-Trainings bekommen jeweils 35 Teilnehmer, großteils aus EU-Ländern, Grundlagen der Theorie und Praxis der Evaluierung von Nachhaltigkeit vermittelt.

Eine Ausweitung der Reichweite des derzeit bis 2010 gesicherten Programms über den europäischen Raum hinaus ist geplant. "Der Bedarf an qualifizierten Evaluatoren wird weiter zunehmen", ist Martinuzzi überzeugt. Denn zum einen stehen Entscheidungsträger unter einem ständig steigenden Legimationsdruck, wie sie finanzielle Ressourcen einsetzen.

Zum anderen habe das auch mit einem international beobachtbaren politischen Kulturwechsel zu tun: Nicht mehr Ideologien, sondern Wirkungen und Ergebnisse stünden heute im Vordergrund, sagt der Wissenschafter auf Anfrage des Standard.

Natürlich bestehe immer die Gefahr, dass Evaluierungen missbraucht werden, räumt Martinuzzi ein. Umso wichtiger sei es, wissenschaftlich solide Kriterien zu entwickeln, um Folgen möglichst objektiv im Vorhinein abschätzen oder zumindest Ergebnisse im Nachhinein bewerten zu können, betont Martinuzzi.

Easy Eco wurde im Jahr 2005 von der Unesco als offizielles Projekt der Weltdekade Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet. Die nächste Konferenz findet im November 2007 in Wien an der Wirtschaftsuniversität statt. (Sabina Auckenthaler/D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 23.5. 2007)