Graz - Die Grazer Wechselseitige Versicherung (GraWe Group Graz) - die in diesen Tagen mit dem Verkauf eines Aktienpakets an der Kärntner Hypo in den Schlagzeilen ist - hat im Geschäftsjahr 2006 ihr bestes Ergebnis seit der Gründung vor 179 Jahren erzielt, wie die Versicherung am Mittwoch mitteilte. Im Konzern wurde das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von 81,5 Mio. Euro auf 158,5 Mio. Euro fast verdoppelt - allerdings hatte die GraWe in der Bilanz 2005 den Hypo-Alpe-Adria-Schadensfall zu verkraften gehabt.

Auch auf die Hypo Group Alpe Adria ging die GraWe zur Bekanntgabe der Ergebniszahlen ein: Diese hatte im Vorjahr 183 Mio. Euro EGT und einen "wesentlichen Beitrag" zum Konzernergebnis der GraWe Group geleistet.

Die seit vorigem Jahr der GraWe gehörende Bank Burgenland hat das Geschäftsjahr 2006 mit einem positiven Jahresergebnis von 2,6 Mio. Euro abgeschlossen. Die Capitalbank habe ihre Ergebnisse neuerlich übertroffen.

Im Konzern sei die Bilanzsumme um 124,4 Prozent auf 6,661 Mrd. Euro gewachsen, was u.a. auch an der erstmaligen Einbeziehung der Bank Burgenland lag.

In Österreich hat die GraWe Versicherung AG ihr bestes Ergebnis bisher geliefert: 2006 konnte der Vertragsbestand um 37.464 Verträge auf 1.715.763 Verträge gesteigert werden. Bei den verrechneten Prämien konnte eine Steigerung von 2,0 Prozent von 425,9 auf 434,5 Mio. Euro erzielt werden. Die Versicherungsleistungen im direkten Geschäft der Schaden- und Unfallversicherung erhöhten sich um 4,5 Prozent auf 212 Mio. Euro. Der durchschnittliche Schadensatz bezogen auf die abgegrenzte Prämie habe 71,3 Prozent betragen. Die Steigerung der Leistungen wurde auch durch Schneedruckschäden in den Wintermonaten verursacht.

Bei den Lebensversicherungen gebe es wie schon 2005 die höchste Gewinnbeteiligung: Mit 4,875 Prozent zahle die GraWe deutlich mehr als der Markt. In der Lebensversicherung seien die Aufwendungen für Versicherungsfälle inklusive der bezahlten Gewinnanteile von 56,4 Mio. auf 75,8 Mio. Euro gestiegen. Die Anzahl der Leistungsfälle kletterte von 8.326 auf 10.618 im Jahr 2006.

Betriebsaufwand erhöht

Der Betriebsaufwand erhöhte sich um 3,3 Prozent von 106,3 auf 109,7 Mio. Euro. Die Kapitalerträge erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr um 10,2 Prozent. Insgesamt wurden Netto-Kapitalerträge in Höhe von 70,9 Mio. Euro erzielt.

Der Jahresüberschuss wurde auf Beschluss der Mitglieder den Eigenmitteln der AG zugeführt. Mit den Gewinnzahlen habe man 2006 "das exzellente Vorjahresergebnis nochmals übertroffen und für die GraWe AG das beste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte" verbucht. Mit einem Solvabilitätsgrad von 337,32 Prozent (Vorjahr: 301 Prozent) erreichte die Eigenmittelausstattung der Grazer Wechselseitigen österreichweit und international einen Spitzenwert, so das Unternehmen.

Alle Versicherungstöchter in Zentral- und Südosteuropa hätten einen "beachtlichen Beitrag" zum Konzernergebnis geleistet. Rund 35 Prozent der Prämieneinnahmen wurden bereits im Ausland erzielt. In Mazedonien habe man die Geschäftstätigkeit mit der neuen Tochtergesellschaft aufgenommen. Die Bank Burgenland sei erfolgreich integriert und stelle eine ideale Ergänzung des Bankenengagements dar.

Im Bereich der Immobilien seien die Großprojekte in Zagreb, Sarajewo und Bukarest bereits fertig gestellt und voll vermietet, die Projekte in Belgrad und Chisinau würden noch im ersten Halbjahr 2007 fertig. Die Versicherung beschäftigt heute mehr als 3.200 Mitarbeiter.

Die Grazer Wechselseitige Versicherung muss sich zur Zeit vorwerfen lassen, ihre Aktien an der Hypo Alpe Adria Bank zu billig abzugeben. Die GraWe verkauft nämlich nicht direkt an die Bayerische Landesbank (BayernLB), sondern an den künftigen Kärntner Hypo-Chef Tilo Berlin. Berlin verkauft seine Aktien an die Bayern weiter, zu einem höheren Preis. Beobachter gehen davon aus, dass die GraWe damit gut 100 Mio. Euro liegen ließ. (APA)