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Die TeilnehmerInnen der Warschauer Gleichheitsparade mit Masken des Premiers Jaroslaw Kaczynski (rechts) und des Bildungsministers Roman Giertych (links): Die LPR lässt nicht locker, Stimmung gegen Lesben und Schwule zu machen. Homosexualität wird im "Diskurs" z.B. mit Abhängigkeit von Pornografie gleichgesetzt.
Foto: REUTERS/Peter Andrews
Warschau - Die nationalkatholischen PolitikerInnen in Polen lassen die Themen Homosexualität und Schutz der traditionellen Familie nicht los. Ein Gesetz gegen "homosexuelle Propaganda" im Fernsehen forderte am gestrigen Mittwoch die Vorsitzende des Parlaments-Ausschusses für Familien, Anna Sobecka. Vergangene Woche hatte Bildungsminister Roman Giertych von der LPR (Liga polnischer Familien) ein solches Verbot an Schulen verlangt.

Gefahr für die Gesellschaft

"Homosexuelle Handlungen können eine Gefahr für die Gesellschaft sein, weil sie die Weitergabe von Leben ausschließen", erklärte Sobecka bei einer Ausschusssitzung. Es sei deshalb die "Pflicht eines Abgeordneten, Homosexuellen zu helfen, dieser Schwäche zu entkommen". Die Vertreterin des Bildungsministeriums, Hanna Wujkowska, erklärte in der Ausschusssitzung, Homosexualität sei eine "Abhängigkeit ähnlich der Abhängigkeit von Pornografie oder vom Internet". Homosexuelle würden auch leichter von Drogen oder Alkohol abhängig, so Wujkowska.

Auszeichnung für Mutter

Bildungsminister Roman Giertych möchte indes die Werbung für ein anderes Familienmodell verstärken. Er schlug gestern dem Präsidenten vor, der am 11. Mai verstorbenen Anna Radosz postum einen hohen Staatsorden zu verleihen. Anna Radosz, die in Schottland lebte, hatte trotz ihres Krebsleidens auf eine Chemotherapie verzichtet, um ihrem noch ungeborenen Kind nicht zu schaden. Ihre Angehörigen lehnen die Auszeichnung ab. Er fürchte, die LPR "will meine Schwester für ihre politische Kampagne ausnutzen", sagte Lukasz Radosz der Zeitung "Gazeta Wyborcza".

Schritte dagegen

Die Nicht-Regierungsorganisation amnesty international veröffentlichte gestern einen Bericht, in dem sie der polnischen Regierung "homophobe Äußerungen" vorwirft. Im April verabschiedete das EU-Parlament eine Resolution, in dem es vor allem Polen vor einer Zunahme der Homophobie in der Gesellschaft warnt. (APA)