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Hartwig Branl, Vorsitzender der FLÖ

Foto: apa/leitner
STANDARD: Wie fühlt man sich als heimlicher Wahlsieger? Ohne die FLÖ geht in der neuen ÖH-Regierung ja gar nichts.

Brandl: Ich bin sehr glücklich über das Vertrauen, das uns die Studierenden entgegengebracht haben. Unser ambitioniertes bundesweites Wahlziel, drittstärkste Kraft zu werden, haben wir erreicht.

STANDARD: Was muss der "große" Koalitionspartner, der die FLÖ als Mehrheitsbeschaffer haben will, für Ihr Ja tun?

Brandl: Die Kernaufgabe der ÖH - Interessenvertretung - muss wieder im Vordergrund stehen. Die Bundesvertretung muss wieder mit den Universitätsvertretungen und den Studienvertretungen zusammenarbeiten. Nicht Parteizentralen, sondern die Studierenden sollen die Ziele und Projekte der ÖH vorgeben.

STANDARD: Welche Projekte müssen denn ins ÖH- Regierungsprogramm hinein, wenn die FLÖ dabei sein sollen?

Brandl: Mir gefällt das Wort "Regierungsprogramm" nicht. Wir regieren nicht, wir arbeiten. Ein wichtiges Projekt wäre, dass die ÖH die Fortbildung ihrer MitarbeiterInnen nicht weiter Parteiakademien überlässt. Ein wichtiges Ziel ist für uns auch die Abschaffung der Diskriminierung ausländischer Studierender - Stichworte: doppelte Studiengebühren, Arbeitsmarktzugang, passives ÖH- Wahlrecht.

STANDARD: Gibt es Ausschlussgründe für eine Koalition?

Brandl: Wir koalieren auf keinen Fall mit dem RFS. KoalitionspartnerInnen müssen gleich wie wir jede Form der Diskriminierung ablehnen und für die Ehrenamtlichkeit der Arbeit in der ÖH eintreten.

STANDARD: Was sind für die FLÖ Koalitionsbedingungen?

Brandl: Die Kommunikationskultur innerhalb der ÖH muss sich um 180 Grad ändern. Die Vorsitzenden der Uni-Vertretungen müssen von der Bundesvertretung ernst genommen und nicht wie in der Vergangenheit oft nur informiert oder sogar angelogen werden.

STANDARD: Wie erklären Sie sich den Erfolg der AG und den Absturz des VSStÖ?

Brandl: Die Wählerinnen und Wähler haben sich von Rot-Grün die letzten Jahre nicht gut vertreten gefühlt. Und die Studierenden haben die Distanzierungsversuche des VSStÖ von der SPÖ nicht ernst genommen. Schließlich wurden sie im Wahlkampf von der SPÖ finanziell und materiell unterstützt.

STANDARD: Was trennt die FLÖ von der AktionsGemeinschaft?

Brandl: Wir sind unabhängig und keine Parteivorfeldorganisation. Für die AG steht Service im Vordergrund, für uns Interessenvertretung.

STANDARD: Wo gibt es Differenzen zu Rot-Grün/VSStÖ-GRAS?

Brandl: Auch hier trennt uns, dass wir keine Parteivorfeldorganisation sind, sondern vollkommen unabhängig. Aber mit beiden, AG und Rot-Grün, konnte ich in den Wahlprogrammen einige große gemeinsame Problemfelder für Studierende erkennen. Die Umsetzung dieser muss sich jedoch stärker an den Studierenden orientieren. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD-Printausgabe, 26./27. April 2007)