Das 54 Stockwerke hohe Gebäude der Bank of Amerika gilt als Manhattans "grünster Wolkenkratzer", er wurde mit umweltfreundlichem Material gebaut

Foto: Herrmann
Architekt Bob Fox zeigt Bilder, die könnten aus Utopia stammen. Wie ein zu groß geratenes Glühwürmchen beleuchtet er die Skyline, der Glaspalast der Bank of Amerika, der da am Bryant Park wächst. Der kostbare Naturstein aus Jerusalem, die riesigen Fenster, gespart wurde an nichts. Aber neben Beton hat man Hochofenschlacke verbaut, die sonst weggekippt worden wäre. Die Dächer fangen Regenwasser, das nachts in Kellertanks zu Eis gefriert und tagsüber die 54 Stockwerke kühlt. Am stolzesten ist Fox, der Umweltpionier, auf seine Klimaanlage.

In diesem Gebäude kriegt jeder das Klima, das er haben will, für jeden Schreibtisch individuell reguliert. Die Leute fühlen sich wohler, arbeiten produktiver, die Mehrausgaben sind bald wieder drin. New York wäre nicht New York, könnte Bob Fox seine Logik nicht in einen griffigen Spruch kleiden. "Grün zu sein heißt Geld zu machen", sagt er.

Symbol einer Wende

Manhattans grünster Wolkenkratzer soll im nächsten Jahr fertig sein. Der Green Building Council, eine junge Initiative, feiert ihn schon jetzt als leuchtendes Symbol der ökologischen Wende. Seit Ende der Neunzigerjahre haben Avantgardisten wie Fox beim Bauen in den Schluchten Manhattans auch den Klimawandel im Kopf. Typisch ist das noch nicht.

Typisch sind Hochhäuser mit Klimaanlagen, die unglaublich viel Strom verbrauchen. Im August 2003 brach das Stromnetz an einem besonders heißen Tag komplett zusammen.

Vielleicht war es der große Blackout, der Rohit Aggarwala zum Umdenken führte. Jedenfalls leitet er eine Behörde, die es erst seit acht Monaten gibt. Das Büro für langfristige Planung und Nachhaltigkeit. Gemeinsam mit New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg hat er die Stärken und Schwächen der Stadt analysiert. New York City wird weiter wachsen, 2030 dürfte es neun Millionen Einwohner haben, fast eine Million mehr als heute. "Früher hätten wir einfach ein neues Kraftwerk gebaut. Heute denken wir darüber nach, wie wir Strom sparen können", sagt Aggarwala. Es ist nur ein Beispiel von vielen.

Da sind die Yellow Cabs, die legendären Taxis. Sie sollen bis 2012 auf Hybridantrieb umgestellt werden. Da ist die Second Avenue Line, eine neue U-Bahn-Linie. Der Tunnel soll endlich gebohrt werden, nachdem man die Arbeiten in den 1920er-Jahren nach dem ersten Anlauf eingestellt hatte. Da ist die City-Maut. Wer Manhattan im Auto ansteuert, soll zwischen 86th Street und Südspitze wochentags acht Dollar zahlen.

Häuser isolieren

In den alten Bungalows aus der Nachkriegszeit testet Matt Slattery von der Conservation Services Group die Wärmedämmung. Sie ist schlecht, als heikelste Schwachstelle erweist sich das Dach, das zwar dicht ist, aber schlecht isoliert. "Da kannst du gleich ins Freie heizen", meint Bob Gardella, Slatterys Chef. Dabei koste es nicht viel, ein paar Bahnen Dämmwolle zu verlegen und die Ritzen abzudichten.

Wieso sie erst so spät darauf kommen? Gardella fährt sich durchs graue Haar und hält eine Grundsatzrede. Sie handelt von spottbilligem Benzin, spottbilligem Gas, von Ölfeldern, Irak, Geopolitik. "Um Treibstoffpreise haben wir Amerikaner uns nie gekümmert. Aber langsam tut es weh, langsam merken es die Leute am Portemonnaie. Jetzt hat der Wecker geklingelt." (Frank Herrmann, DER STANDARD Printausgabe, 26./27./28.5.2007)