Wien - Peter Baumgartl, der jahrzehntelang als ehrenamtlicher Teamarzt der Nordischen im Österreichischen Skiverband (ÖSV) fungierte, sieht nach den IOC-Sanktionen gegen das ÖOC seinen guten Ruf in Gefahr. Das IOC sieht es so, dass Baumgartl diesen seinen Ruf selbst gefährdet hat. Baumgartl sei, wie es im IOC-Bericht heißt, "ganz genau so wie in Salt Lake City", wofür er seinerzeit schon einen scharfen Verweis kassiert hätte, seiner "Supervisionspflicht als oberster medizinischer Betreuer nicht nachgekommen".

Gegen Baumgartl werde, wird im Bericht ausgeführt, "weiterhin ermittelt". Baumgartl (66), Ehrenpräsident der Österreichischen Gesellschaft für Sportmedizin und Ex-Primar des Krankenhauses von St. Johann/Tirol, wehrt sich: "Den Verdacht, dass ich mit Manipulationen zu tun habe, empfinde ich als Zumutung. Ich überlege eine Klage, wenn sie das nicht zurückziehen."

Er habe dem IOC ein lange vor Turin an ÖSV-Athleten versandtes Schreiben vorgelegt, wonach weder Infusionen noch Spritzen erlaubt seien und diese nur durch medizinisches Personal und nach ärztlicher Indikation verwendet werden dürften. "Es gefällt mir nicht, dass sie hinter meinem Rücken und gegen meine Anweisungen Infusionsbesteck gehabt haben. Das verurteile ich, auch wenn es kein Doping sein muss. Aber es ist sicher nicht Aufgabe des Arztes, Kindermädchen zu spielen und in den Nachtkasterln zu stöbern." Baumgartl hatte 2006 nicht bei den Langläufern und Biathleten, sondern bei den Skispringern gewohnt.

Der Skilangläufer Johannes Eder (27), einer der sechs vom IOC lebenslang von Olympia ausgeschlossenen ÖSV-Athleten, will aufhören. "Mir wurde die Freude genommen, wenn einem Sachen vorgehalten werden, die in keiner Form stimmen", erklärte der Salzburger. Aus dem IOC-Bericht: "Konkret auf Herrn Eder bezogen, fand die italienische Polizei unter Eders Bett eine intravenöse Tropfinfusion samt Nadel, die eine kleine Menge einer transparenten Flüssigkeit enthielt." Die Staatsanwaltschaft Turin stellte fest, dass es sich bei der Flüssigkeit um Kochsalz handelte, laut IOC ein Hinweis darauf, dass Eder versucht habe, seine "physiologischen Körperparameter" zu manipulieren.

Die Frage ist, wie das ÖOC (Pressekonferenz Dienstag, ab 12.30 Uhr live auf ORF 2) künftig mit ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel umgeht, der seine Funktion als ÖOC-Vize ruhend stellte. "Das Ruhendstellen wird nicht reichen", sagte Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) in "Sport am Sonntag" (ORF). "Wir müssen das bereinigen. Wenn das nicht passiert, ist das ein massives Problem für die Bewerbung." Etliche ÖSV-Stars (Maier, Hosp, Bieler, Stecher, Widhölzl) stellen sich demonstrativ hinter Schröcksnadel. "Seine Ehrlichkeit und Handschlagqualität schätze ich sehr", wird Hermann Maier in einer dem ÖSV-Partner Kronen Zeitung übrigens nicht vorab zugespielten ÖSV-Aussendung zitiert. (DER STANDARD Printausgabe 29.05.2007)