Wien - Elfriede Gerstl (74) erhält den Heimrad-Bäcker-Preis 2007. Diese Entscheidung der Jury (Friedrich Achleitner, Thomas Eder und der letztjährige Preisträger Ferdinand Schmatz) gab das Institut für Germanistik in einer Aussendung bekannt. Die Verleihung findet am 19. Juni im Stifter-Haus in Linz statt - und damit drei Tage nach dem 75. Geburtstag von Gerstl. Der Bäcker-Förderpreis geht heuer an Kevin Vennemann.

Elfriede Gerstl wurde am 16. Juni 1932 in Wien geboren und überlebte als jüdisches Kind die Zeit des Nationalsozialismus in Wien in diversen Verstecken. Sie studierte Medizin und Psychologie und veröffentlichte seit 1955 vereinzelte Schriften. Ihre erste Buchpublikation war "Gesellschaftsspiele mit mir" (1962), in den Jahren darauf entstand in Berlin das bahnbrechende Werk "Spielräume".

"Elfriede Gerstl fand im Zentrum der formalen Entwicklungen der zeitgenössischen Literatur ihre unverwechselbare Position. Auf die schulbildenden Angebote zwischen Realismus und Konkretion antwortete sie mit dem Skeptizismus des Wortes", schrieb Bäcker einst in der edition neue texte. Ihre jüngste Publikation ist "Mein papierener Garten. Gedichte" (2006). Gerstl ist Trägerin des Erich-Fried-, des Georg-Trakl- und des Ben-Witter-Preises.

Kevin Vennemann erhält den Förderpreis zum Heimrad-Bäcker-Preis für seinen 2007 erschienenen Roman "Mara Kogoj". In diesem wird ihm der Konflikt zwischen Kärntnern und der slowenischsprachigen Minderheit zum Anlassmodell, die Fragen nach der Darstellbarkeit von Historie in Literatur zu ergründen.

Der 2003 verstorbene Autor Heimrad Bäcker hat noch zu Lebzeiten mit dem Erlös aus dem Verkauf seines literarischen Nachlasses an das Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek zusammen mit seiner Frau Margret Bäcker den "Heimrad-Bäcker-Preis" (dotiert mit Euro 8.000) und den "Förderpreis zum Heimrad-Bäcker-Preis" (dotiert mit Euro 3.500) gestiftet. Diese von der Interessengemeinschaft Heimrad Bäcker jährlich zu vergebenden Preise sollen Autorinnen und Autoren auszeichnen und fördern, deren bisheriges Werk mit der ästhetischen Ausrichtung der "edition neue texte", wie Heimrad Bäcker sie verlegt hat, in Zusammenhang steht. (APA)