Köln - Trotz des Konjunkturaufschwungs wächst in Deutschland die Zahl der privaten Überschuldungen. Jeder zehnte Erwachsene sei überschuldet, sagt Michael Eham, Geschäftsführer der Schuldnerhilfe Köln in einem Interview. "In Haushalte umgerechnet sind rund 3,4 Millionen Haushalte bundesweit nicht mehr in der Lage, ihre Schulden zu bedienen."

Die Verbraucher-Insolvenzen seien 2006 um 34,8 Prozent gestiegen - auf 92.844 Fälle. Die Schuldenhöhe liege im Schnitt bei 25.000 bis 30.000 Euro. Aber auch eine vierstellige Schuldensumme könne etwa für Arbeitslosenempfänger zur Hürde werden.

Viele Ursachen

Ursachen für die Verschuldung gebe es viele. "Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre ist eindeutig eine gravierende Ursache", sagt Eham. Und es gebe so genannte Armutsschuldner - Deutsche, die meist im Zuge ihrer Arbeitslosigkeit ins Schleudern gerieten.

Zu wenig beachtet werde der Wandel im Konsumverhalten. Die Bedeutung von Konsum für die soziale Anerkennung habe stark zugenommen. Vielen Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, fehle finanzielle Übersicht. (dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.5.2007)